Leiste

Sonntag, 15. März 2015

Cremes und Lotionen - Unabhängigkeit

Ich hatte vor einiger Zeit dieses Buch zu Cremes selber machen der Hobbythek gekauft.

Viel daraus gemacht hatte ich nicht. Eigentlich gar nix, aber den Theorieteil hatte ich aufmerksam gelesen. Er erklärt mir, warum eine Bodybutter, die nur aus Fettphase und ein Körperöl, das nur aus Öl besteht, meine Haut nicht pflegen, sondern nur überlagern. Pflegende Wirkungen von solchen Produkten bekam ich tatsächlich nie zu spüren.

Man braucht eine Emulsion aus Fett, Wasser und einem Emulgator, der die beiden vermischt hält. Genau so ist das zusammengestellt, was die Haut zu ihrem eigenen Schutz produziert und was wir waschwütig dauernd entfernen. Resultierend müssen wir das dann wieder nachgeben in Form einer Creme.

Die Cremes haben verschiedene Anteile an Wasser und Fett zueinander. Eine Körpermilch hat einen hohen Wasseranteil und so wird der Wasseranteil immer geringer, je reichhaltiger das Produkt ist. Bis hin zur sehr fettigen Körperbutter, die bei den meisten Herstellern immer noch Wasser enthält. Nur eben nicht viel.

Bei Balea enthält die Körperbutter einiges an Wasser, was mir aber nicht genug ist. Die erste Zutat ist sogar Wasser und wie wir wissen sind die Zutaten nach Prozent geordnet. Enthalten ist auch Emulgator (bsp Lecithin). Die Körperbutter erstickt meine Haut allerdings eher und sie lässt sich sehr schlecht verteilen. Als informierter Kosmetiknutzer muss ich mir dieses Verhalten allerdings nicht länger gefallen lassen. Ich kann den tollen Nussduft UND eine anständige Konsistenz haben. Wenn das Produkt weicher und cremiger werden soll, braucht es mehr Wasser! So habe ich einen Teil entnommen und mit Wasser und Schneebesen bearbeitet, bis ich die Konsistenz erreicht hatte, die ich haben will.

 photo cremkram-1_zps6hbyeszq.jpg

Man sieht es auf dem Foto wahrscheinlich nicht, aber die Farbe hat sich dabei auch verändert. Das Originalprodukt ist ganz leicht gelblich, während das verwässerte Produkt reinweiß geworden ist. Das kommt durch die feinst verteilten Wassertröpfchen.

Der Einsatz von Konservierungsstoffen ist auf die Produkte einzeln abgestimmt. Je mehr Wasser im Produkt ist, desto mehr Konservierungsstoff wird benötigt. Und ich habe den Wasseranteil jetzt drastisch erhöht, also muss ich damit rechnen, dass mein verwässertes Produkt in geraumer Zeit schlecht wird. Passe ich mein Verbrauchsverhalten an diese Geschwindigkeit an, muss ich keinen Konservierungsstoff nachgeben. Daher habe ich nur eine kleine Menge verwässert und benutze diese regelmäßig als Handcreme und Bodybutter. Ich habe nur dieses Töpfchen, keine anderen Produkte. Das sollte sich also machen lassen. Danach wird wieder ein Teil verwässert und abgefüllt.

Auch das ist im Buch beschrieben: Bei kleinen Einsatzmengen braucht man oft gar keinen Konservierungsstoff. Sehr praktisch! Und wo ich jetzt Blut geleckt habe, kann ich auch mal ein richtiges Rezept ausprobieren. Bei einer Bestellung für Seifenzubehör hatte ich schon Emulgator für Kosmetika mitbestellt gehabt.


 photo cremkram-5_zpszkhmhspw.jpg

Eine Pflegemilch, die auf Öl basiert. Ich habe ein Haaröl von Alverde, das total toll riecht, aber nur als Verkleidung für Nachmittagssendungen wie "Mitten im Leben" taugt, wenn ich einen verwahrlosten Menschen darstellen möchte, der sich nie die Haare wäscht. Um das Öl nicht verkommen zu lassen, wählte ich dieses Rezept aus.


 photo cremekram-2_zpst2twy4dh.jpg

Das Öl wog ich in das gelb gedeckelte Dippglas ein (37.5 g) und löffelte das kristalline Tegomuls dazu (15 g). Ich hab die Durchführung nicht gelesen, aber jetzt liegen Stückchen in Öl vor. Von dieser Masse wog ich 10g in ein anderes Gefäß ein und wog 50g Wasser dazu. Euxyl habe ich nicht, das ließ ich weg. Auch nach langem Pürieren mit dem elektrischen Schneebesen tat sich nichts und ich wollte schon anfangen zu fluchen, der Emulgator solle gefälligst tun, was ein Emulgator zu tun hat. Da las ich nochmal auf einer anderen Seite, dass man das Mixen vorzugsweise bei 70°C machen sollte. Ups. Becher in die Mikrowelle, nochmal pürieren und schon wurde eine cremige Schlagsahne daraus.


 photo cremkram-4_zpsffcz7xum.jpg

Eine wundervolle sahnigleichte Körpermilch ist entstanden. Irgendwas habe ich immer noch nicht richtig gemacht, denn einige ganz wenige Körnchen Emulgator sind noch übrig. Aber ansonsten bin ich echt zufrieden. Jetzt muss ich die Körpermilch ausgiebig an den Beinen testen. Hände und Ellbogen fanden sie bisher gut, der Unterarm beschwerte sich aber mit Jucken. Das hat mit dem hohen Zitronenterpenanteil im Haaröl zu tun, der ist doch relativ allergen und für nichtallergene Menschen dennoch ab und an reizend.


 photo cremkram-3_zpsswccqmpj.jpg

Aufgetragen und noch nicht vercremt. Die Konsistenz ist nicht so schlabbrig, wie ich sie mir anfangs vorstellte. 


Man muss sich nicht alles vom Kosmetikhersteller aufbürden lassen. Wer eine Creme ohne Duft will, kann sie sich mit diesem Buch machen. Und das ist echt nicht schwierig, ich brauchte nur ein Mixgefäß, wozu ich einen Messbecher nahm, wo die Rührstäbe gut reinpassen und einen elektrischen Rührer. Dazu vielleicht noch einen Silikonspatel, Gefäße zum Aufbewahren und die Zutaten selbst. Viel einfacher als Seife kochen ;)

Kommentare:

  1. Interessanter Versuch! Ich find diese Body Butters nämlich auch viel zu steif / fettig und die normalen Cremes viel zu wässrig. Mein größtes Problem mit Cremes ist und bleibt die Inhaltsstoffe. Ich hab da schon nen Spießrutenlauf hinter. Ich hab jetzt endlich etwas gefunden was funktioniert, aber fragts ich nur wie lange. Sonst muss ich auch was mixen -.- Wie lange sind die Sachen haltbar?

    AntwortenLöschen
  2. Die Haltbarkeit ist je nach Konservierungsstoff 1-2 Jahre. Eine Drogeriecreme muss mindestens 3 Jahre halten, so will es das Gesetz.
    Aber bei kleinen Mengen braucht man ja kein Jahr, um ein Töpfchen von 25 - 50 mL aufzubrauchen.

    Schau bei den Konservierungsstoffen auch, ob die pH-abhängig sind. Natriumbenzoat muss leicht sauer sein. Auf so ein gefrickel mit dem pHwert habe ich aber z.b. keine Lust und werde daher "C-Kons" nehmen ;)

    AntwortenLöschen
  3. 1-2 Jahre find ich wunderbar. Da muss man nur darauf achten dass man sich keine Kilos zusammenmischt, sondern nur das was man in der Zeit aufbrauchen kann. Natürlich würd ich den ersten Versuch lieber mit 50-100 ml wagen.
    Hast du in deinem schlauen Buch auch ein Rezept für trockene Haut? Könnte ich Sheabutter bedenkenlos gegen Kakaobutter tauschen? Ich reagiere so krass darauf und find deswegen ja kaum noch eine Lotion ohne. Wär super wenn du mir das zu mailen könntest :)
    Ich teste mich gerade durch sämtliche Öle durch. Vielleicht finde ich irgendwelche Öle, die bei mir besser funktionieren.

    AntwortenLöschen