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Donnerstag, 3. Oktober 2013

Vortragsreihe "Cosmetics, Chemicals and the Truth" gesehen

Ich habe einige Journals für Chemie im Twitter aboniert und manchmal retweeten die sehr interessante Sachen. Heute eine Einladung, live in England dabei zu sein, wenn eine kleine Vortragsreise zur Chemie in der Kosmetik statt findet. In dem Raum waren ca. 80 Leute, aber dabei waren weit mehr, denn man konnte von zu Hause aus zuschauen. Und das habe ich getan, es sah ungefär so aus:

 photo konferenz-chemicalcosmetics_zps28d286f8.jpg

Um nachzulesen, wer die sprecher waren, möchte ich zu Cosmetics, Chemicals and the Truth weiterleiten.

Es waren 4 Sprecher aus unterschiedlichen Bereichen, die interessante Dinge zu sagen hatten. Danach kam eine Fragerunde, die nochmal mindestens genau so lang war wie die eigentlichen Vorträge. Leider konnte ich so einer Konferenz noch nie in Echt bewohnen und immer dann, wenn es möglich war, war die Qualität leider sehr niedrig durch gewisse Umstände, die ich nicht näher erläutern möchte.


Das wird jetzt etwas zusammenhangslos und ohne roten Faden, aber ich habe mit Notitzen gemacht und möchte ein paar davon wieder geben:

Zu der Brustkrebs-Parabengeschichte wurden interessante Dinge gesagt. Allgemein wirde das Thema eher mit genervten Fingerspitzen behandelt, aber die Studie, die die Erkrankung mit diesen Stoffen in Bezug brachte, fand sowohl in den Krebszellen, als auch in den gesunden Zellen Parabene. Und NOCH viel interessanter war, dass auch im Blindprobenmaterial Parabene gefunden wurden, das nicht mit parabenhaltigen Lösungen versetzt wurde.

In Punkto Abbaubarkeit von Inhaltsstoffen gibt es Untersuchungen dazu (bevor der Stoff in den Handel kommt), ob der Körper den Stoff abbauen oder ausscheiden kann. Was aber kaum bekannt ist, er wird auch darauf geprüft, ob er sich nach dem unversehrten Ausscheiden in der Umwelt abbauen kann und nicht akkumuliert.

Der Toxikologe wies auf die Grundsätze dieses Faches hin: Die Dosis macht das Gift. Und die Natur hat die besten Gifte, Naturkosmetik kann also niemals harmlos und supersicher sein. Einmal sagte eine Frau im Bus "Mit Naturkosmetik KANN man nichts falsch machen!". Das ist natürlich Unsinn und darauf wies er nochmals hin. Ein Hinweis gab es auch darauf, dass man unterscheiden muss: Wie lange und bei welcher Temperatur ist die Exposition? Danach ist es unterschiedlich einzuschätzen, wie giftig der Inhaltsstoff ist. Z.B. kalte, kurze Handwäsche oder heißes Bad. Duschgel, das man abwäscht oder Creme, die den ganzen Tag bleibt. Dusche, die im dunklen Bad verwendet wird oder Creme, die stundenlang der Sonne ausgesetzt wird? Das Sonnenlicht startet auch chemische Reaktionen, es gibt einen ganzen Chemiezweig für Fotoreaktionen.

Die eine Sprecherin wünscht sich eine andere Deklaration. Unsere Deklaration in Europa ist durchgängig in Latein und da fängts schon an. Viele wissen nicht, was "aqua" ist und halten es für eine synthetische Chemikalie. Auch Theobroma Cacao Butter hört sich selbst für Menschen, die Chemie in der Schule hatten zumindest chemisch verändert an. Broma erinnert vom Wort her ja an Brom, einer fies riechenden tief orangefarbenen Flüssigkeit, die sich schnell in der Raumluft verteilt. Und die gerne im Chemieunterricht vorgeführt wird. Wäre die Deklaration zusätzlich noch in der Landessprache aufgedruckt oder zumindest auf der Website des Herstellers einsehbar, dann hört sich das Meiste gar nicht mehr schlimm an. Wasser und Kakaobutter klingt dann um Welten verständlicher.
Ich finde diese Überlegung sehr gut. Frosch druckt auf seiner Handseife hinter jedem lateinischen Inhaltsstoff eine Verwendung auf, Alverde druckt meineswissens auch eine deutsche Zusammenfassung zusätzlich auf. Ich finde, so etwas schafft Transparenz und Verständnis. Das ist natürlich problematisch für gewisse andere Produkte, die mehr Innovationen enthalten, wo wir beim nächsten Punkt sind...

... dem Patent! Viele Konzerne mögen keine Inhaltsstoffe, die nicht patentierbar sind, was vor allem Naturkosmetik und Parfüms betrifft. Ein Patent sperrt den neuen Stoff für die Anwendung in Konkurrenzprodukten. Erfindet Nivea also Faltenwegmacher-A und ist damit der Verkaufsschlager, gucken die bei Loreal machtlos aus der Wäsche und müssen drum herum forschen, um einen ähnlichen, aber nicht gleichen Stoff zu entwickeln, denn im Patent steht auch, welches der Stoff ist.

Die Haut ist eine gute Barriere. Man kann in Cremes und Waschlösungen so einiges verwenden, was wir im Verdauungstrakt nicht tolerieren könnten. Bei der Bewertung, z.B. wenn man auf seiner Creme Methylisothiazolinon findet und die Gefahrenkennzeichnung nachschlägt, wobei man auf den Totenkopf als Symbol für giftig stößt, sollte man immer bedenken, dass die Haut viel abhält. Sie ist dafür da, Stoffe raus zu halten. Der Darm ist dafür da, Stoffe aufzunehmen. Immer getrennt betrachten. Und in Punkto Tierversuche wurde darauf hingewiesen, dass die Haut von Ratten und Kaninchen ein denkbar schlechtes Beispiel ist, um die Tests für den Menschen durchzuführen. Die Haut von Ratten und Kaninchen ist viel durchlässiger als unsere Haut. Es kommen also meistens schlechere Ergebnisse heraus, zusätzlich kommen dann noch Komplikationen hinzu wie andere Enzyme. Wenn ich das richtig verstanden habe, ging es um ein Beispiel von Tee (oder gibt es noch einen anderen Stoff, der "Tii" ausgesprochen wird? Ich bin nicht perfekt in englisch). In einigen Kosmetika wurde Tee eingesetzt und die Testratten hatten damit große Schwierigkeiten. Allerdings fehlt ihnen ein Enzym zur korrekten Verarbeitung, das wir besitzen und weswegen der Tee für uns kein Problem darstellt.

Diskutiert wurde auch über das Problem des Layerings. Erst Serum A, dann Serum B, dann Hautcreme, dann Primer, Concealer, Makeup, Puder, Highlighter, Rouge, Fixierspray und zig Sachen, die man dazwischen noch auftragen könnte. Wer kann ausschließen, dass es zwischen diesen Sachen zur Reaktion kommen kann? Keiner. Wer kann das sinnvoll untersuchen? In Anbetracht der Vielzahl an zugelassenen Stoffen ist das auch nicht möglich. Selbst wenn man alle Stoffe in einen Topf packt und schaut, was passiert, kann man dann ja nicht mehr rückschließen, wer nun mit wem reagiert hat. Und ob das dann auch schädlich sein kann.


Ich hoffe, ich konnte einen interessanten kleinen Einblick geben. Es wurde natürlich noch mehr besprochen, aber man kann keine 2 stündige Sitzung in ein Blogposting quetschen.
Ich fand es aber irgendwie beruhigend, dass die Sprecher vor genau den gleichen Problemen mit Kosmetikinhaltsstoffen und der Reaktion der Nutzer, sowie der eigenen Einschätzbarkeit stehen wie ich.

Übrigens gibt es eine hoch dotierte Ausschreibung für den Finder eines zu 100% chemiefreien Produktes. Das erklärt aus satirische Weise wie die Reaktion mit Hintergrundwissen auf Chemophobie abläuft.

1 Kommentar:

  1. Sehr interessantes Thema! Ich weiß auch nie ob die ganze Mischung gut ist....
    Ich bin froh dass ich bei INCI Listen lateinische Pflanzennamen von Stoffnamen unterscheiden kann. Bei einigen weiß ich soagr was das ist ^^

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