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Sonntag, 8. September 2013

Konservierungsstoffe – machs haltbar!

Unwort Nr. 2 in Sachen Kosmetik ist für mich inzwischen „Parabene“. Unwort 1 ist Silikone. Da das Kapitel der Silikone unglaublich groß ist (und doppelt so interessant) und ich mich dabei regelmäßig verzettel, hab ich das immer noch nicht fertig gestellt. Also kommen wir zum anderen Unwort, den Parabenen. Und da die Parabene als Konservierungsmittel tätig sind, möchte ich dazu ein paar Worte fallen lassen.

Es gibt einige Kosmetika, die ohne Konservierungsmittel auskommen. Das sind feste Seifen und das sind Öle und Fette. In diesen ist extrem wenig Wasser enthalten, das Keimen als Medium dienen muss, um ihr Wachstum zu gewährleisten. Aber leider ist die Akzeptanz von festen Seifen und Tensidstücken (=Syndete) relativ gering und so fahren die meisten eher auf Duschgel, Shampoo und Flüssigseife ab. Aufgrund des hohen Wasseranteils muss Konservierungsmittel rein, denn Keime schleimen nicht nur, sondern produzieren auch giftige Stoffe, die wir nicht auf der Haut haben wollen.
Bei Cremes ist das Problem, dass die Haut unter reinen Fetten und Ölen eher mit Ignoranz reagiert, als mit Pflegestoffaufnahme. Das kann von Anwender zu Anwender verschieden sein, aber wissenschaftlich gesehen produziert die Haut selbst Pflegestoffe, die stets eine Emulsion aus Fett und Wasser sind. Es macht also am meisten Sinn, eine externe Pflege auch so aufzubauen. Ich selbst merke es jedenfalls direkt: Fette und Öle schmieren einfach auf der Haut herum, bringen aber nix. Cremes dagegen helfen mir sehr gut. Und daher muss das Wasser in die Creme rein, verkürzt aber ihre Haltbarkeit. Ohne Konservierungsmittel sollte man eine Creme nicht länger als 3 Wochen verwenden (so steht es zumindest im Hobbythekbuch).

Wenn ein Stoff Keime wie Bakterien, Viren und Pilze zerstören soll, kann das niemals ein „netter“ Stoff sein. Er muss immer eine gewisse Brisanz mit sich bringen und kann niemals als gut und gesund angesehen werden. Dessen sollte man sich IMMER bewusst sein. Einen tollen Konservierungsstoff zu finden, können wir uns von vorn herein abschminken und sollten uns auf die Suche nach dem geringsten Übel machen.

Ich möchte jetzt auf die Konservierungsstofffamilien und ihre Eigenschaften eingehen. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Welcher Stoff einem dann persönlich am besten erscheint, kann man sich danach selbst überlegen.


Parabene

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Parabene sind Ester der Benzoesäure, die auch gerne als Konservierungsmittel verwendet wird. Die Reste, hier lila markiert, sind beliebig erweiterbar und dann nach der Nomenklatur vor das Paraben gestellt. Methylparaben hat da eine CH3-Gruppe, Ethyl eine CH2-CH3-Gruppe, Propyl eine CH2-CH2-CH3-Gruppe und so weiter. Meistens sind mehrere Parabene gleichzeitig enthalten.
Hiermit werden nicht nur Kosmetika haltbar gemacht, sondern aus einige Lebensmittel und Medikamente.
Parabene haben im Vergleich eine sehr gute Verträglichkeit und ein geringes allergenes Potential. Das hört sich ja super an, der Haken dabei ist jedoch die Möglichkeit, wie Östrogene zu wirken.

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Eine offensichtliche Ähnlichkeit ist ja schon da (hier lila), Östrogene sind jedoch deutlich sperriger. Dennoch scheinen die Parabene in die aktiven Zentren der Östrogenrezeptoren zu passen. Die Bindung zu den Rezeptoren ist wohl deutlich schwächer, aber sie ist da. Dabei zeigen Parabene mit längeren Resten (Propyl, Butyl, Pentyl) eine bessere Bindung als solche mit kürzeren (Methy, Ethyl).
Es soll eine Studie geben, in der männliche Föten mit Parabenen zusammen gebracht wurden und eine feminisierende Wirkung festgestellt wurde. Ich schreibe das bewusst im Konjunktiv, da ich die Originalliteratur nicht finden kann. Für Methyl und Ethyl wird das Potential allerdings als so gering erachtet, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung diese beiden Stoffe als „sicher“ erachtet, sofern die vorgeschriebenen Dosierungen eingehalten werden.


Isothiazolinone

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Kosmetika, auf denen groß drauf steht „Parabenfrei“ enthalten meistens Methylisothiazolinon. Häufig wird dies auch als Mischung mit dem Chlorderivat verwendet.

Diese Isothiazolinone haben keine hormonähnliche Wirkung (oder sie versteckt sich so gut, dass sie noch nicht bemerkt werden konnte) und haben damit den Pluspunkt, wo die Parabene den Minuspunkt erhalten. Allerdings erhalten Parabene in der Verträglichkeit den Pluspunkt, wo ich hier nun einen Minuspunkt vergeben muss: Die Isothiazolinone haben ein deutlich höheres Allergiepotential, das auf 2% der Weltbevölkerung geschätzt wird. Das äußert sich dann in rotem Hautausschlag und anderen unangenehmen Dingen. Bemerkt wurde dies vor allem dadurch, dass die Konzentration hiervon in Wandfarben sehr hoch ist und Reaktionen von Personen in frisch gestrichenen Räumen auftraten. Auch manche Klebstoffe werden hiermit konserviert.
In der Kosmetikverordnung wird vorgeschrieben, dass nur 0.01% Isothiazolinon enthalten sein darf und es gibt auch Hersteller, die mit noch weniger auskommen.
Diese beiden ersten Stoffe akkumulieren sich nicht in der Umwelt, da sie schnell abgebaut werden können. Wenn man diesen Stoff also verträgt und keine Allergie dagegen hat, ist er gar nicht mal so schlecht. Es bleibt aber immer das Restrisiko, eine Allergie dagegen zu entwickeln.

Zur Vollständigkeit möchte ich auf das dritte Derivat eingehen. Dies ist meines Wissens nicht für Kosmetika zugelassen, aber gerne mal der Grund, warum schlecht Publik gegen diese Stoffklasse gemacht wird, einfach weil mal wieder jemand etwas absichtlich verwechselt. Das Dichloroctylisothiazolinon ist deutlich stabiler, wird also schlechter abgebaut. Seine Wirkung gegen Mikroorganismen ist deutlich höher, sodass es als Antifoulingmittel für Schiffsanstriche gegen Seepocken verwendet wird. Früher nahm man da eine organische Zinnverbindung, die jedoch so brisant war, dass sie Anstreichpersonal und diverse Wasserbewohner deutlich negativ beeinflusst hat. Einige Arten wiesen Unfruchtbarkeit auf, andere standen kurz davor.


Konservierungsmittel nahe an der Natur

In Naturkosmetik findet man gerne mal keines der bisher genannten Mittel. Hier kann man auf Ethanol treffen, Benzoesäure, Salicylsäure oder Sorbinsäure. Ethanol ist offiziell kein Konservierungsmittel und hat meist eher eine Aufgabe als Lösemittel und Konsistenzgeber, aber es lässt sich nicht abstreiten, dass die Haltbarkeit einer Creme höher wird, wenn so viel Ethanol enthalten ist, wie wir es gerne in Naturkosmetik finden. Salicylsäure ist der Vorläufer zu Aspirin, da wäre es die Acetylsalicylsäure. Salicylsäure brennt kleine Löcher in die Magenschleimhaut, die acetylierte Variante ist da milder, dennoch aber auch nicht ungefährlich. Wir können uns vorstellen, was diese Säure mit der Membran von Bakterien und kleinen Pilzen macht. Benzoesäure dagegen wirkt in den Mikroorganismen direkt an deren Enzymen und führt zu einer Wasserstoffperoxydansammlung. Als Makroorganismus kann man diese Wirkungen wegstecken, denn wir haben mehr Zellen. Stirbt mal eine, ist das verkraftbar. Mikroorganismen haben jedoch nur diese eine Zelle und sterben dabei ab. Wir sollten uns aber vergegenwärtigen, dass alles, was in den Mikroorganismen durch diese Stoffe passiert, auch in unseren Zellen passiert.


Formaldehydabspalter

Eines der ältesten Konservierungsmittel und heute noch in der Forensik verwendet, ist Formalinlösung. Das ist Formaldehyd in Wasser. Der Brisanz dieses Stoffes sind wir uns inzwischen alle bewusst. Ein anderes Negativkriterium ist vor allem aber der starke Geruch, der doch etwas störend ist. Als ich einst mit Formalin arbeitete, vermied ich es, die Flasche außerhalb des Abzuges zu verwenden und roch auch nicht mutwillig dran. Zum Geruch kann ich also nichts sagen, aber ich bekam einen spürbaren Reizhusten, weil der Stoff auch in geringer Dosierung die Bronchien reizt. Wenn man so etwas von einer Handcreme bekommt, ist das also nicht so toll.
Das verstanden auch die Hersteller und verpackten Formaldehyd in so genannte „Formaldehydabspalter“, die sich gut lagern ließen und das Formaldehyd dosiert und nur unter gewissen Bedingungen frei geben.

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Zu Bronopol schrieb ich schon einmal etwas. Dies findet sich z.B. in einem gewissen Markengeschirrspülmittel, ich habe es aber auch schon in Makeup und Duschgels, Duschbädern und Shampoos gefunden. Auf Diazolidinyl Urea habe ich noch nicht geachtet. Kosmetika, die mit den Abspaltern versetzt sind, riechen nicht nach Formalin.
Beim Einsatz dieser Konservierungsstoffe in Produkten wie Spüli, die sofort wieder abgewaschen werden, ist das Problem natürlich nicht so hoch wie z.B. in Foundation, die den ganzen Tag auf dem Gesicht liegt, vielleicht sogar 6 Tage die Woche. Aber gerade bei Spüli gegen Foundation haben wir einen Temperaturunterschied. Foundation wird durch die Haut auf 36 °C aufgeheizt, Spüli auf bis zu 60°C. Was das für die Aktivität des Spalters bedeutet, ist natürlich verschieden.
Aber es gibt ja Handschuhe, die die Hände nicht nur vor Bronopol schützen, sondern auch den Nagellack länger haltbar machen.


Sonstige

Da die Parabene einen schlechten Ruf haben, gibt es immer wieder Anstrengungen, diese zu ersetzen. Dabei soll ein Stoff ohne hormonelle Wirkung, aber auch ohne allergenes Potential gefunden werden. Ein solcher Kandidat ist zum Beispiel Dibromdicyanobutan (IUPAC: 1,2-Dibrom-2,4-dicyanobutan). Anfangs wies er alle positiven und keine negativen Eigenschaften auf. Nach kurzer Zeit zeigte sich jedoch, dass das allergene Potential sogar deutlich über Methylisothiazolinon lag. Solche Konservierungsstoffe findet man deutlich seltener als die zuvor vorgestellten.



Fazit

Irgendwie muss die wasserhaltige Kosmetik haltbar gemacht werden. Toll sind die Mittel dafür alle nicht. Wir können uns unseren Liebling aussuchen und darauf achten, nur noch diesen in unseren Kosmetika zu haben, haben dann natürlich aber eine deutlich eingeschränkte Auswahl, was die übrigen Zutaten angeht.

Beim Durchschauen, was in meinen Sachen so drin ist, habe ich am häufigsten Natriumbenzoat (Natriumsalz der Benzoesäure) gefunden. Danach kommen die Parabene. Und meinen Favoriten, das Methylisothiazolinon, habe ich anscheinend gar nicht mehr in meinen Cremes und Mittelchen. Vielleicht kann man sich als nicht schwangere Frau aber auch überlegen „Was sollen mir Parabene schon tun?“. Ein fader Beigeschmack bleibt bei jedem Konservierungsmittel. Ich werde trotzdem mal nach einer silikonfreien Handcreme mit Methylisothiazolinon schauen. Silikonfrei an dieser Stelle, weil die Hände oft im Mund und im Essen landen und Silikone nicht verdaulich sind.

Kommentare:

  1. Sehr schöne kurze Übersicht :) Zu den Benzoaten habe ich erst letztens gelesen, dass sie womöglich mit dem Auftreten von ADHS im Zusammenhang stehen.

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  2. Diazolidinyl Urea hab ich schon sehr oft in Kosmetik gesehen. Formaldehydabspalter meide ich komplett (DMDM Hydantoin gehört da glaub ich auch noch mit in die Reihe und wird oft in Kosmetik eingesetzt), aber alle anderen Konservierungsmittel vertrag ich gut.

    Eine Handcreme mit Methylisothiazolinone und ohne Silikone wäre die Pure & Natural von Nivea.

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  3. Wieder ein toller Beitrag! Und so erklärt, dass es ein Laie verstehen kann. Schade, dass es noch keine eierlegende Wollmilchsau in Sachen Konservierungsmittel gibt, aber du machst auch anschaulich, warum es das eigentlich nicht geben kann.
    Vielen Dank für deine Arbeit!

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  4. Muss Klaine da absolut zustimmen: es wird einem endlich mal anschaulich erklärt, wieso man nicht alles haben kann (Hersteller selbst können das ja nicht, damit würden sie sich wohl selbst zu sehr diskreditieren? :D). Und genau dieses Bewusstsein fehlt den meisten, die nach absolut unschädlichen Kosmetika fragen: die Naturgesetze kann man nun mal nicht auf den Kopf stellen und man muss mit dem arbeiten, was man hat.
    Danke für den Beitrag!

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  5. Wiedermal ein gut recherchierter und verständlicher (!) Beitrag! Deshalb mag ich deinen Blog auch so sehr und wollte nur mal dalassen, dass mir bisher alle Beiträge sehr gut gefallen haben. Vor Parabenen habe ich keine "Angst", dennoch ist es bestimmt gesünder, auf feste Seifen zur Reinigung umzusteigen. Die Idee hast du mir schonmal schmackhaft gemacht!

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  6. Danke für den tollen Post! Das ist genau das Thema, mit dem ich mich momentan auseinander setze. Dass ich auf Formaldehydabspalter verzichten möchte, war mir schon vorher klar. Und auch Parabene müssen echt nicht sein, ich nehme durch die Pille schon genügend Hormone zu mir, die muss ich also nicht auch noch in der Kosmetik haben.

    Ich bin mir momentan noch unsicher, welches für mich das Konservierungsmittel der Wahl sein wird. Momentan versuche ich erst mal, so weit möglich Naturkosmetik zu kaufen. Aber die Konservierungsmittel darin scheinen ja auch nicht wirklich unbedenklich zu sein...

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  7. Ich finds echt super dass du so komplexe chemische BEgriffe so gut erklären kannst :D Weiter so!

    Östrogene... Sind das nicht Hormone? Also wenn ich das recht verstehe, können die Butyl und Propyl Ärger in der Hinsicht verursachen, oder?

    Ich hab ein Problem mit Salicylsäure. Ich weiß nicht ganz was das in manchen Produkten für trockene Haut zu suchen hat, wo es doch eigentlich ein wirksames, entkeimendes Mittel gegen Akne ist >.< In Aspirin und co ist es mir klar, aber da benutzt man das ja nicht jeden Tag!

    Sag mal kennst du DMDM Hydantoin? Das ist auch ein Formaldehydabspalter.. Findet sich in Shampoos und so. Diazolidinyl Urea hab ich in Cremes gefunden. Werd wohl drauf achten dass das nicht in dauerhaften Produkten drin ist. Wie ich das in Spüli und so sehe ist ne gute Frage. Gewisse Spülis vertrage ich nicht und danke für den Hinweis dass das auch an den Formaldeyden liegen kann und nicht nur an den ensiden.

    Ich bin nicht komplett gegen Konservierungsmittel. Das doofe ist unr dass überall so gut wie alles drin ist und man nicht weiß worauf man reagiert!

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    1. Jup. Östrogene sind die weiblichen Hormone. Da wir davon aber ziemlich viel haben, dürften wir nichts von den Parabenen spüren. Problematisch wirds dann bei Föten im Entwicklungsstadium und vielleicht bei Männern, die eh schon etwas zu wenig Testosteron haben.

      Du reagierst ja sowieso auf viele Inhaltsstoffe, da kann ich mir deinen Ärger gut vorstellen. Hast du mal darüber nachgedacht, dir deine Kosmetik selber zu mischen a la Hobbythek? Da kannst du dann auch jeden Baustein einzeln ausprobieren und auf Verträglichkeit testen. Falls du in einem Bereich wirklich kein verträgliches Produkt findest, wäre das vielleicht mal eine Möglichkeit.

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    2. Interessant :) Ich bin ja eh gegen hormonelles Gedöns.... Irgendwie hat das nix in Essen und Kosmetika zu suchen...
      Ich hab nächste Woche nen ausführlichen Allergietest. Ich hab die Ärzte so lang drauf gedrängt dass ich endlich mal gegen Chemikalien geprüft werde. Ich hoffe sie haltn sich dran.
      Es ist cool sich seine Kosmetik selber zu mischen. Aber dann braucht man auch Gerätschaften für... Ich müsste bei den kompletten Basics anfangen. Also so ne Basiscreme hat schon etliche Sachen. Ich denk aber mal darüber nach!

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