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Mittwoch, 15. Mai 2013

Aluminium außerhalb von Deos

Aluminiumverbindungen gibts nur in Deos und Sodbrenntabletten...? Weit gefehlt, musste ich feststellen. Ja, ich habe mich nicht ausreichend informiert und das hat jetzt Folgen. Ich habe nämlich bei der Niveatestaktion teilgenommen, dann kam die Lotion an, alles ganz toll, bis ich las, dass Aluminium als Salz enthalten ist. Und dann fing ich an zu suchen und fand immer mehr und mehr!


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Das ist natürlich fatal, da sind tolle Sachen drunter.

Aber wo liegt eigentlich mein Problem?

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Wenn wir ins Periodensystem schauen (ja, das muss jetzt sein), sehen wir in jeder Gruppe, das sind die Spalten, Elemente, die wir gut kennen in unserem Körper.

Betrachten wir nur die Hauptgruppen, das sind die hohen. In den Nebengruppen sind sowieso nur Metalle.

Gruppe 1: Wasserstoff als Wasser, Kohlenwasserstoffe, Proteine, Zucker... Natrium und Kalium als wichtige Salzbestandteile.
Gruppe 2: Magnesium und Calcium als wichtige Salzbestandteile, Calcium in Zähne und Knochen
Gruppe 13: ööööhhh...
Gruppe 14: Kohlenstoff! Best ever!
Gruppe 15: Stickstoff in den Proteinen und den DNA-Basenpaaren, Phorphor als Baustein im Zahn und als Gerüst der DNA, als ATP, der Energie unseres Körpers
Gruppe 16: Sauerstoff in Proteinen, Zuckern, Zähne, Knochen, selbst in Fetten. Schwefel in Proteinen zum besten Halt
Gruppe 17: Chlorid als wichtiges Anion, Iod am Schilddrüsenhormon

Okay, Gruppe 18 ist jetzt nicht so vertreten, aber die Edelgase sind auch die Gewinner des PSE. Die sind so zufrieden, dass sie einfach mit nix reagieren. In ganz harter Anorganik mit elementarem Fluor bekommt man Xenon zur Reaktion, aber in der Natur passiert damit nichts.

So, jede Gruppe hat irgendwie was zu tun, aber Gruppe 13 ist arbeitslos. Kein Job im Leben bekommen, Außenseiter, ungeliebt. Wenn ich Nichtchemiker frage, was sie kennen, worin Bor (das erste, "B") enthalten ist, nennen sie mir entweder gar nichts oder Worte mit dem Baustein wie z.b. laBOR. Daran sieht man, wie unbekannt Bor ist und von wie wenig Interesse für die Öffentlichkeit.

Gruppe 13 zeichnet sich dadurch aus, Elektronenmangel zu haben und diesen Elektronenmangel gewaltsam wieder auszugleichen. Umgedreht finden wir das in der Stickstoffgruppe: Die haben einen zu viel und gleichen das auch gewaltsam aus. Aber im Gegensatz zum Mangel haben wir kein problem mit dem Überschuss. Nur Elemente mit dem Mangel können wir irgendwie nicht gebrauchen.

Und daher macht Gruppe 13 im Körper eine wilde Party, macht mal dies und mal das, reichert sich mal an und schwimmt mal so durch. Geforscht wird aus Lobbygründen leider viel zu wenig und in der Populärwissenschaft landet auch viel zu wenig über Gruppe 13 als Verbindung. Als Metall kennen wir Aluminium ja sehr gut. Aber die Salze...? Und Bor? Und Gallium? Thallium ist übrigens übelst giftig, deutlich schlimmer als seine Nachbarn Quecksilber und Blei.

Aber Thallium soll uns nicht weiter interessieren. Ich möchte darauf eingehen, was genau in den Sachen da oben drinne ist.



Zuckerperlen
Enthalten elementares Aluminium. Daher glänzen sie auch so toll silbrig, wie Kügelchen aus Alufolie. Das wäre alles kein Problem - wäre da nur nicht die Magensäure.

Al + 3 HCl -> Al(3+) + 3 Cl- + 1.5 H2

Und da haben wir unsere Aluminiumionen, die jetzt ungehindert durch den Körper wandern können und den gleichen Schaden machen wie Sodbrenntabletten. Nur in geringerer Konzentration



In-Dusch-Bodymilk + Trockenshampoo

Enthalten "Aluminium Starch Octenylsuccinate"
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Das ist jetzt ein bisschen komplizierter. Der Octenylrest ist relativ unpolar, also wie Öl. Und Stärke ist sehr polar, das wissen wir ja vom Puddingkochen, das Puddingpulver, welches zum Großteil aus Stärke besteht, löst sich in Wasser verdammt gut. Diese beiden Eigenschaften sind mit einem Succhinat verbunden, welches zusätzlich nochmal als Salz vorliegt, und zwar mit Aluminium. Aluminiumsalze haben verschiedene Löslichkeiten, einige sind sehr gut löslich, andere weniger. Es scheint sich hier um einen Emulgator zu handeln, der fettige und wässrige Phase miteinander verbindet. In einer Creme sehr hilfreich, damit sich die Phasen nicht trennen, in einem Trockenshampoo fängt es natürlich an, das Kopffett zu lösen und mit irgendwas zu emulgieren, was gerade so da ist. Am besten den eigenen Stärkerest oder den Stärkerest des Nachbarmoleküls.

Was mich daran stört, ist dass hier ein Aluminium-Natrium-Austausch stattfinden kann. Oder ein Austausch mit Eisen. Und dann löst es das Aluminium aus der salzartigen Struktur heraus in die wässrige Phase und wir wären wieder bei "genau so schlecht wie Deo".
Ich sehe generell keinen Anlass dafür, hier unbedingt Aluminium zu nutzen, es gibt doch so tolle, essentiellere Ionen wie z.b. Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium oder auch Zink. All diese erfüllen: farblos und vom Körper brauchbar.




Hautcreme

Enthält Aluminium Stearate

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Einen nahen Verwandten kennen wir sehr gut: Natrium Stearate. Das ist das Natriumsalz der Stearinsäure und fällt unter die Kathegorie "Seife". Und zwar klassische Seife. Fette bestehen ja aus Glycerin, daran pappen drei solch langkettige Fettsäuren und beim Verseifen stellt man das Glycerin wieder einzeln her plus drei solcher Salze.
Auch hier finden wir wieder einen polaren Teil, nämlich da, wo die Ladungen stehen. Und einen unpolaren, das ist der lange Kohlenstoffrest. Auch hier kann man emulgierende Eigenschaften feststellen, noch dazu sind diese Verbindungen selber ziemlich fest, das kann also zu einer festeren Konsistenz der Creme beitragen. Nun kann Aluminium sich an dieser Stelle von Natriumsalzen unterscheiden, zum Beispiel in seiner Löslichkeit in Wasser. Seife löst sich, das wissen wir, aber ziemlich schlecht, sonst wäre das Seifenstück eine Einmalanwendung. Das Aluminiumsalz hingegen soll sich extrem schlecht lösen lassen.

Dennoch sehe ich hier auch immer, dass Natrium auf der Haut enthalten ist und mit Aluminium tauschen könnte.



Foundation

Enthält Aluminiumhydroxid Al(OH)3.
Das Natriumanalogon nennt man auch Natronlauge oder Brezellauge. Die verwandte Kalilauge ist schon etwas heftiger. Ich muss es wissen, ich habe gerade meine Kalilaugeverätzung auskuriert, kann hochprozentige Natronlauge aber so zwischen den Fingern schmieren, ohne dass etwas passiert, wenn ichs innerhalb weniger Minuten wieder abwasche.
Aluminiumhydroxid hat meistens wenig Lust, sich in Wasser zu lösen, man sagt dazu auch "unlöslich". Ein bisschen was löst sich immer, aber das ist verschwindend gering.
In mehr Lauge löst sich das Aluminiumhydroxid aber. Und in Säure löst es sich auch.
In der Foundation könnt es... tja, welchen Zweck könnte ein Pulver erfüllen, welches sich weder in Fett, noch in Wasser löst? Und dann noch nicht einmal viel davon enthalten ist? Es steht an 5. Stelle, wenn wir von hinten zählen.

Ich halte diesen Stoff in der Foundation für überflüssig und riskant, weil Haut nunmal sauer ist und nicht neutral. Es wird sich also ein geringer Teil auf der Haut lösen können, womit wir wieder beim Deoproblem sind.



Geleyeliner (braun)

Es gibt zwei Inhaltsstofftabellen. In einer kommt Calcium Aluminium Borsilikat vor. Das ist ungefär so gefährlich wie ein Katzenklo, weil auch das Katzenklo aus Tonmineralen besteht. Es wird sich um fein gepulvertes Material handeln, welches der Konsistenzgeber ist, auf den sich das Pigment aufbringen und deckend machen lässt. So kann man das Pigment strecken und ihm Fülle verleihen.
Ich weiß nicht, ob ich das jetzt als Problem sehen soll, schließlich trinke ich selbst aus Borsilikatglas. Aber selbst wenn ich diesen Stoff jetzt als super gefährlich einstufen würde, an meinem Nutzungsverhalten ändert das nichts, die Farbe gefällt mir nämlich nicht. In der schwarzen Version ist der Stoff nicht enthalten und ich habe es hier nur wegen der Komplettheit der Elemente aufgeführt. Diesen Stoff halte ich für den trägsten, ungefährlichsten.



Mein Fazit

Ich rate direkt von Speisen ab, die Aluminium enthalten. Die Zuckerperlen erachte ich als brisantestes Produkt der ganzen Reihe.
Ansonsten möchte ich darauf hinweisen, dass hier meine persönlichen Einschätzungen vorliegen und ich für mich entschieden habe, keine aluminiumhaltigen Dinge, die in den Körper geraten könnten, mehr zu verwenden. Das mag auf den ersten Blick hysterisch klingen, aber es gibt Dinge, die sind direkt vermeidbar so wie Trockenshampoo. Und es gibt Dinge, die sind nicht vermeidbar so wie wenn einer im Labor den Kühlschrank öffnet und das derbst giftige Butylzinnoxid herauskommt. Da meine Giftdosis also eh schon erhöht ist, möchte ich sie so gering wie möglich halten.
Des Weiteren arbeite ich selber mit der Gruppe 13 in meiner Forschung, derzeit mit Gallium. Heißt, nicht nur der Kühlschrank ist ein Giftproblem für mich, sondern auch mein ganzes Thema.


Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Da Aluminium aber ein Thema ist, das noch in den Startlöchern steht, wollte ich gerne über Deo und Sodbrenntabletten hinaus informieren und darlegen, wo überall Aluminium enthalten sein kann, wieso das so sein könnte, und ob man dem aus dem Weg gehen sollte oder nicht. Für die Zuckerperlen möchte ich eine klare Warnung formulieren, bei den übrigen kann man sich überlegen, ob man das Risiko hoch sieht oder nicht.


[Übrigens werde ich auch nichts mehr in Alufolie grillen. Das habe ich 1 oder 2 mal gemacht bisher und habe immer Zitronensäure zugegeben. Dann passiert genau das, was ich für die Magensäure formuliert habe.]

Kommentare:

  1. Ich habe absolut keine Ahnung von Chemie, aber ich fand den Artikel unglaublich interessant! Danke dafür und fühl dich ermutigt noch mehr solcher Texte zu schreiben, falls dir danach ist ;)
    Ganz liebe Grüße!
    PS: Ich halte mich auch von Aluminium in Deos fern, aber du hast mir die Augen geöffnet für einen breiteren Blickwinkel!

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  2. o.O alter schalter, wie lange hast du dan dem genialen Artikel getippt??? Die Hälfte versteh ich nicht, hatte nur Chemie in der Realschule, aber das wa sich verstehe, macht sinn.
    Ein Glück, dasss ich diese Perlen nie gegessen habe, ich fand die schon immer unheimlich ^^
    Trockenshampoo kommt bei mir wenn dann nur einmal im Monat zum einsatz..
    Ich glaube, ich muss auch mal meine Sachen durchforsten,d as ist echt interessant.
    Auch das mit dem Grillen in Alufolkie, was ich eh nie mache. wobei.. Doch, meinen Schafskäse... aber den leg ich nur in Öl ein, da sollte es doch weniger ein Problem sein?

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  3. HA, neulich hab ich meinem Freund noch erzählt, wie unglaublich suspekt mir diese Kugeln sind. Was silber glänzt kann doch nicht gesund sein?!
    Doof im Übrigen um das Trockenshampoo und den Geleyeliner. Ich mag beide gern und grade heute hätte ich Trockenshampoo auch mal wieder nötig. Hmhh. Ich werde drüber nachdenken.

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  4. Checke gerade nicht allzu viel, aber auf meine Nivea zum abschminken verzichte ich trotzdem nicht xD
    Die anderen aufgezeigten Produkte besitz ich alle, glaub ich, nicht. Das dürfte mein Körper also verkraften xD

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  5. Ich benutze kein Trockenshampoo, ich nehm Babypuder. Hat eigentlich den gleichen Effekt.

    Hast du eigentlich mal einen Blogpost über Aluminium IN Deos geschrieben?

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    1. So ein Artikel würde mich auch interessieren.
      Ich habe mich zwar mittlerweile auch dazu entschieden, auf Aluminium in Kosmetika zu verzichten, aber ich lese deine Posts zu solchen Themen unheimlich gerne.

      Momentan habe ich nur ein alu-haltiges Produkt, auf das ich nicht verzichten kann: mein Gesichtspuder. Hier muss ich erst noch adäquaten Ersatz finden. Das ist gar nicht so einfach, weil ich a) relativ helle Haut habe und b) fast jedes verdammte Puder Alu enthält. grmpf.

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