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Mittwoch, 5. Dezember 2012

OMG, mein Nachbar macht CHEMIE! (Seifen-Posting)

Mir war eben richtig mulmig bei dem, was ich gemacht habe. Dabei habe ich nur Seife gekocht! Aber man muss dabei mit konzentrierter Natronlauge umgehen und dafür verlangt es der korrekten Schutzausrüstung wie Kittel, Schutzbrille und Handschuhe. Das alles hatte ich natürlich im Labor vergessen, aber ich habe Mehrwegabwaschhandschuhe, eine Schutzbrille von UVEX als Werbegeschenk, welche ich für mein Sailor Merkur Cosplay von meinen Eltern erhalten habe (die hatten mal beruflich mit UVEX zu tun) und ich habe noch einen alten Kittel von meinem Vater, den ich enger genäht habe, um daraus ein Sailor Moon Cosplay zu machen.

Dann stand ich da als Vollmontur-Chemiker in meiner eigenen Küche, die nur einen halben, löchrigen Vorhang hat. Abens, die Nachbarn konnten mir alle beim "Chemie machen" zuschauen. Und mit einem echten Quecksilberthermometer in der Hand, das ich aus dem Labor geliehen habe. Behalten will ich das nicht, das ist mir zu gefährlich. Aber es hatte die beste Schutzhülle für den Transport und ich muss gestehen, dass ich schon mehrere Thermometer auf dem Gewissen habe (zum Glück nur welche mit Alkohollösung).

Ich bin in einem Forum für Hobbychemiker und die berichten dauernd über Hausdurchsuchungen. Ich hatte echt Angst, dass ein Nachbar die Polizei ruft, weil ich nach Chemie aussehe. Beziehungsweise habe immer noch Bammel, dass es gleich klingelt oder ich Post bekomm.
Dummerweise habe ich meinen Toxikologieschein immer noch nicht abgeholt, den hätt ich sonst vorzeigen können.
Dabei mach ich nichts Verbotenes, aber die Angst vor Chemie ist inzwischen so unglaublich groß geworden, dass irgendein Jurist in der Schweiz nun versucht, Haarspray zu verbieten (unter anderem, die Liste ist laaaang), weil das ja so gefährlich ist, wenn brennbare Dinge in Druckgasflaschen sind. Ich hoffe, das lässt sich aufhalten. Auf der Liste steht auch Anthracen, das ist ungefährlicher als Benzin. Warum auch immer das drauf steht...

Ich habe eigentlich gar keine Lust, selber Seife zu kochen, weil man die ganzen Rohstoffe besorgen muss und mein Seifenverbrauch relativ gering ist. Ich habe auch niemanden zum Beschenken, wenn ich also ein Kilo Seife herstell, muss ich die ganz alleine aufessen... äh, waschen. Ich könnte natürlich Kalilauge statt Natronlauge nehmen und Flüssigseife herstellen, aber davon hält in meinem Umkreis auch niemand etwas, weil das ja nicht pH-Hautneutral ist.

Allerdings war da doch dieses doofe Baleaöl, das ich so scheußlich fand und welches einen neuen Zweck haben musste. Hier ein paar Eindrücke.

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Mein Arbeitsplatz kurz nach Fertigstellung. Man sieht die blaue Cosplaybrille, das Quecksilberthermometer und das leere Öl. In der braunen Flasche habe ich NaOH-Plätzchen gehabt, die ich dann im Plastikbehälter auflöste.


Photobucket

Das ist die "fertige" Seife im leicht angeheizten, aber ausgeschalteten Backofen. Ich habe gelesen, wenn man die Seife nicht zur Puddingstufe hochkocht, dann kommt sie in die Gelphase bei der richtigen Temperatur und erhält eine glattere Oberfläche. Und wird letztendlich fester als ohne Gelphase. Was eine Gelphase sein soll, das ist verfahrenstechnisches Zeug, das ist nicht mein Gebiet. Ich hab das nur gelesen und wärm die Förmchen jetzt eine Weile im Ofen. Wenn das nichts wird, kann ich sie immer wieder einschmelzen und nochmal durchkochen.


Jetzt habe ich den eigentlichen Kochvorgang gar nicht dargestellt. Das muss ich auch nicht, denn es ist stinkend öde: Man erwärmt das Öl auf 60 °C (daher das Thermometer) und gießt die ohnehin durch den Lösevorgang warme Natronlauge dazu. Dann püriert man die Masse, um den Verseifungsvorgang schnell einzuleiten. Ich hatte allerdings so wenig Flüssigkeit, dass ich 2 Minuten mit dem Schneebesen mein bestes gab, da der Mixer gespritzt hätte. Dann habe ich das Zeug in die Förmchen gegossen und ab in den vorgeheizten Ofen.
Nudeln kochen ist schwieriger. Aber nicht so gefährlich ;)


Ich habe jetzt die Husch-Husch-Methode verwendet, weil in meinem Öl schon alles Wichtige drin war. Das sind Fette und Duftstoffe. Normalerweise muss man das alles zusammenmixen wie bei einem Keksteig und nacheinander zugeben, zudem für jedes Fett die Verseifungsstufe ausrechnen. Da ich keine Angabe habe, wie viel von welchem Fett in dem doofen Öl sind, habe ich einen Schätzwert für eine überfettete Seife genommen:

Auf 150 mL Baleaöl nahm ich 47 g Wasser und 16 g Natriumhydroxid.
Das Schätzen und Rechnen-schätzen war dabei das schwierigste.


Jetzt heißt es warten und hoffen!

Kommentare:

  1. Ich finde selber Seifen herstellen echt super und hätte sicherlich Spaß daran. Allerdings schrecken mich die ganzen "Zutaten" ab, die man ja erstmal besorgen muss. Vielleicht sollte ich mir mal so ein Kinder-Set besorgen ^^.
    Du weißt nicht wem du deine Seife schenken sollst und ich habe niemanden, der mir welche schenkt. Wir tuen uns zusammen xD

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  2. Ich bin schon gespannt, wie deine Seife wird :) Ich mach auch gern welche, aber ich rühr sie kalt, den Ofen benutz ich dafür nicht.

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  3. hihi, witzig :) Dass seife herstellen so "schwierig" bzw. gefährlich sein kann, hatte ich noch nie drüber nachgedacht.. Dann bin ich mal gespannt, wann dein nächster Post kommt ;)

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  4. Viel Glück, dass die Seife gelingt! :D Ich will das auch schon ewig mal machen, aber irgendwie habe ich noch etwas Schiss vor der Natronlauge und den ganzen Dingen, die man beachten muss^^ Außerdem weiß ich auch nicht so recht, was ich mit so viel Seife machen soll, da ich allein nur extrem langsam ein Stück aufbrauche :)

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  5. was ist denn aus der Seife geworden? Mittlerweile dürfte sie ja reif sein :)

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