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Montag, 29. Oktober 2012

Süddeutsche Artikel "Lippenstift-Porno" unter der Lupe

Ich lese gerne Süddeutsche und Spiegel, weil sie noch mit zu dem Wertvollsten gehören. Aber nicht selten finde ich dort Perlen, die es sich lohnt, zu zerreißen. Beauty gibt es dort meistens nicht viel und meistens auch eher durchschnittlich, aber heute fand ich mal etwas, das es sich als Beautyblogger lohnt zu lesen - jedenfalls, wenn man sich gerne kritisch auseinandersetzen mag. Andere sagen dazu aufregen.

Hier ist der Artikel

Es fängt an mit der Shampoo-Abszinenz, was natürlich schon mal per se das Widerlichste überhaupt ist. Wie kann man nur eine alternative Pflegemethode befürworten?! Das ist ja mal richtig eklig, Pfui! Lieber Leser, fühle dich überlegen diesen Trotteln und ekele dich vor denen, die einen anderen Weg als den Deinen nehmen!

An folgendem Absatz habe ich gleich mehr auszusetzen.

"Kosmetikblogs gibt es schon länger. Aber bislang waren die meisten weder professionell noch lesbar. Jedenfalls war es nur schwer auszuhalten, wenn irgendeine Dani oder Andrea unter dem Titel "Diorella" über Glitzerlidschatten aus dem Drogeriemarkt philosophierte. "

Professionell ist zwiespältig. Sponsoring und Finanzierung über Werbung laufen in der Tat.
Nicht lesbar ist eine direkte Beleidigung, danke, Frau Stehle, Sie sind mir jetzt schon sympathisch.
Und wenn Dani über Glitzerlidschatten schreibt, dann steckt dahinter eine persönliche Meinung einer Ottonormalverbraucherin, der ich 100 mal mehr Vertrauen schenke, als wenn ich in der Maxi lese, dass der Lidschatten toll sein soll. Die Maxi wird nämlich für diese Meinung bezahlt, die von Dani dagegen ist echt.
Und über "philosophieren" reden wir jetzt gar nicht, dass dieses Wort in dem Zusammenhang falsch ist und obendrein die Philosophie als "Laberfach" beleidigt, weiß jeder.


Nein, bei dem Blog da geht es nicht um Ottonormalverbraucher, denen man Glauben schenken kann. Sowas ist ja öde, es geht um Promis. Denn nur Promis sind Menschen von Bedeutung, nur Promis sollte man zuhören, nur Promis sind toll. Alle anderen nicht. Deswegen ist der Blog gut und alle anderen sind schlecht.

Sehr nett ist auch dieser Absatz:

"Und gerade die diffizilen, teilweise etwas affigen Pflegepraktiken, die man sich in der manisch eitlen Branche über die Jahre angeeignet hat, sind natürlich amüsant."

Affig, amüsant. Ich glaube, da muss ich nichts zu sagen, das ist mehr als direkt. Dass viele Pflegepraktiken gar nicht aus der "mansch eitlen Branche" stammen, sondern von den Ottonormalleuten, dieses Wissen kann Frau Stehle natürlich nicht erreichen, denn hier geht es um vorgefertigte Meinungen und nicht um echtes Wissen.

So ist es in Fachkreisen offenbar Usus, sich einmal pro Woche jede einzelne Pore ausdrücken zu lassen, igitt. 

Herzallerliebst! Hat schon mal jemand Taff geschaut? Da geht es auch gerne mal darum, Leute vorzuführen. Oder "Schwer verliebt". All diese Bloßstellungssendungen, die perfide unterhalten wollen, damit der Unterhaltene sich überlegen fühlt. Das spricht die tiefsten Gefühle an, das ist richtig gehirnfrei. Und das gehört nicht zur Süddeutschen.
Wie wäre es, einmal zu googlen, was gegen Akne helfen kann? Sich bei der Kosmetikerin die Poren säubern zu lassen zum Beispiel, weil diese verhornen und mit normaler Seife, die man ja drei mal täglich frisst, weil man ach so Stehle-sauber ist, nicht sauber bekommt.

Auf Seite 3 trägt die Autorin die Gemeinsamkeiten der Promis vor. Sport machen, gesund essen, genug Geld haben, um dieses für Schminktische und Kosmetika auszugeben - das liest sich wie ein Vorwurf. Eine Anerkennung, dass dies zur Schönheit helfen kann, die eigene Disziplin aber gerade mal dafür reicht, Ketchup statt Mayo zu den Pommes zu essen. Die Schuld daran liegt dann bei den Promis, nicht bei der eigenen Disziplin.

Und am Ende des ganzen Artikels ist eigentlich das i-Tüpfchelchen zu finden, wenn man es bis hierhin durchgehalten hat:

"Und das verstehen eben nur die ganz alten Hasen: Schönheit ist relativ. Wer absolut umwerfend wirken will, der muss einfach auch mal die Klappe halten."

Das hätte Frau Stehle besser getan, statt sich dem Sensationsjournalismus hinzugeben und auf jeden beleidigend mit dem Finger zu zeigen, womit sie auch noch das Niveau des Magazins rapide senkt. Danach auch noch durchblicken zu lassen, wie deprimiert sie mit ihrem eigenen Zustand ist und dass sie den Aufwand nicht will. Und es nicht verstehen mag, dass der Aufwand für gewisse Ergebnisse nunmal notwendig ist.

Liebe Süddeutsche-Redaktion, wenn ich Sensationsjournalismus und Fingerzeigen haben möchte, dann schalte ich nachmittags RTL ein. Ihr braucht mir so etwas nicht zu bieten. Bitte nächstes Mal vorher aussortieren.



Kommentare:

  1. Sehr treffend- unterschreibe ich so. Beauty- und Fashinblogs sind natürlich leichte Zielscheiben, da sie nunmal nicht jedermanns Geschmack sind. Doch wer einigermaßen medienkompetent ist, findet sicherlich Mittel und Wege, dem eigenen Drang zu widerstehen, sich sie doch heimlich anzusehen, sei es aus Voyeurismus oder aus heimlicher Neugierde. Phhhh- sucht euch ein Hobby! ;)

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  2. Boahr, das ist mal wieder unfassbar, die blogger sind ja sowieso scheiße weil sie ja ihre EHRLICHE MEINUNG wieder geben, das kann ja nichts sein nech ;-) solche Leute finde ich einfach furchtbar. Die haben noch nicht geblickt, das Blogs längst die Zeitschriften abgelöst haben!

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  3. Autsch. Mehr kann man dazu gar nicht sagen. Ich bin ja der Meinung dass du das auch dort bei den Kommentaren posten solltest, wenn die kein Backtracking oder so haben o.o

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  4. Danke-toll gemacht!Vielleicht waere das als Leserbrief nicht schlecht

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