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Mittwoch, 14. März 2012

Schlecker: Retten oder dahinraffen lassen?

Schlecker ist insolvent, das wissen wir ja alle längst schon. Aber dennoch lese ich in den Nachrichten über diverse Debatten über die eventuelle Rettung dieses Konzerns. Natürlich hatte ich mir damals auch meinen Teil zu Opel (=Zwangsabtrennung von den USA und retten) und Quelle (=untergehen lassen) gedacht. Aber das passt vom Thema ja gar nicht hierher und war nicht nennenswert. Nun ist Schlecker aber ein Thema...

Und über das möchte ich aus meiner Sicht einmal schreiben.
Schlecker ist stets ein sehr rummeliger Laden mit schlecht geführtem, kleinen Sortiment gewesen. Die Kassiererinnen waren so unterbezahlt, dass Freundlichkeit außerhalb des Ladens blieb, die wäre zu teuer gewesen.
Und rummelig ist eigentlich immer ein Idiz für billig. Schlecker ist aber stets der teuerste von allen!
Einkaufswert hatte der Laden für mich also gleich null.

Nett ists vielleicht auf einem kleinen Dorf, wo Schlecker der einzige Anlaufpunk für Fensterreiniger und Zahnpasta war. Aber inzwischen bringt das auch nichts mehr, jeder Edeka, Netto, Combi und sonstiger Laden hat die Grundausstattung für Drogerieprodukte und das deutlich günstiger und freundlicher.

Meines Erachtens ist die Zeit am Konzept von Schlecker vorbei gelaufen. Der Laden an sich ist "out", er passt nicht mehr in die Zeit, nicht zu den Konzepten eines Einkaufsgefühls und nicht zum Konzept von Preis/Leistung, in dem ich nur Douglas schlechter finde, wenn ich ranzig angezogen bin. Wenn ich geschminkt und anständig angezogen bin, werde ich da auch gut behandelt.

Selbstverständlich ist es doof für die ganzen Mitarbeiter, die ihre Jobs verlieren. Das ist auch der einzig negative Punkt. Aber alle anderen Punkte sprechen für mich dafür, dass Schlecker gehen MUSS und dass ich eigentlich ganz froh bin, dass der Laden verschwindet. Und dass ich diese ganzen Rettungsprogramme auch gar nicht verstehen kann, wo der Laden doch gar nicht mehr in die Zeitgeschichte passt.
Das gleiche war damals für Quelle, wo man 3 Teile bestellt hat, 6€ Versand zahlen musste und nach 3 Wochen kommt dann endlich mal ein Tshirt in der falschen Farbe an. Der Reste fehlte weiterhin. Auch der Laden passt nicht mehr in die Zeitgeschichte. Otto dagegen hats drauf, damit habe ich bisher nie Probleme gehabt. Und auch die Waschmaschine kam nach 2 Tagen sofort an, wurde mir sogar ins Bad getragen!


Wieso soll der Staat Unternehmen retten, die versagen? Und die mit ihrem Konzept nach der Rettung gleich wieder versagen? Warum wird nicht einmal über den Sinn von Systemen an sich nachgedacht, sondern immer gleich angenommen, dass Systeme per se richtig sind, weil es Systeme sind?


So. Ich kaufe nicht gerne bei Schlecker ein und habe das auch schon ewig nicht mehr getan. Ich werde den Laden nicht vermissen und bin dagegen, dass der Staat ihm hilft.
Wie seht ihr das?

Kommentare:

  1. Ich bin eine der scheinbar wenigen, die nicht nur negative Assoziationen mit Schlecker hat. In meinem bisherigen Leben waren die Verkäuferinnen stets freundlich.
    Auch wenn die Verkaufsräume vieler Filialen klein, eng, muffig, dunkel und irgendwie ungepflegt-ramschig wirken, so habe ich eigentlich immer ganz gerne durch die Regale gestöbert. Auch wenn ich dann nur selten wirklich was gekauft habe.

    Seit es diese XXL-Formate gibt, lasse ich mich in den kleinen Läden auch gar nicht mehr blicken. Aber die stets vollen LE-Aufsteller lassen mich ab und an in größere Schlecker verlaufen.

    Trotzdem sind mir dm und Rossman als Alternativen 100 Mal lieber. Und das sehen eben viele, viele Andere ganz genau so wie ich. Ist doch kein Wunder, dass der Laden pleite ist. Und da sich an dem Image für die Allgemeinheit vermutlich eh nichts ändern wird und die erhoffte neue Kundschaft mit Sicherheit ausbleibt, bin ich gegen eine staatliche Hilfe.

    Kleine Betriebe gehen auch einfach pleite - das juckt doch keinen hintersten Arsch.

    Und dass Gewerkschaften gegen die Schließung einiger Filialen vorgehen wollen finde ich total bescheuert. Am Ende bin ich mir ziemlich Sicher: Schlecker wird nicht mehr lange sein.

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  2. Puh, also ich verstehe das Konzept von Schlecker auch einfach nicht. In jedem Dorf eine Fililale, die keinen Gewinn macht. Wie will man so ein Unternehmen führen? Da haben die Manager einfach von vorn bis hinten verschissen, ganz ehrlich (und der Geschäftsführer sowieso, wenn ein Unternehmen 5 Jahre Verlust einfährt und niemand was tut).
    Schlecker hatte - abgesehen von basic, da fand ich einige Nagellacke schick - aber auch nie etwas, was andere nicht gehabt hätten. Ich denke, das ist auch ein großes Manko - mit irgendwas muss man ja heraus stechen und da steht Schlecker wirklich auf dem absteigenden Ast.

    Die Erfahrungen mit unfreundlichen Mitarbeitern habe ich nur teilweise gemacht, ich hatte einfach das Problem, dass selbst wenn ich etwas wollte, die Regale leer gefegt und absolut unsortiert waren.

    Dass nach Hilfen für die Unternehmensrettung gefragt wurde, finde ich im Übrigen eine Unverschämtheit (genau wie bei Opel) - wenn ein Konzept nicht läuft, läufts halt nicht. Fertig.

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  3. Schlecker hatte doch großes vor. Die wollten richtige Supermärkte eröffnen. Vielleicht kam es einmal zu oft ans Tageslicht, dass sie ihre Arbeitnehmer ausgebeutet, erpresst und deren Löhne zum Teil nicht ausgezahlt haben. Nach dem Motto: es suchen ja genug Arbeit. Wenn du nicht unter unseren Bedingungen arbeitest, dann zahlen wir gar nicht. Kommt ja der nächste.
    Da wundert es mich auch nicht, dass die Verkäufe irgendwie merkwürdig drauf sind. Es ist bekannt, dass Schlecker an Personal und wohl auch an Technischen Geräten für die Überwachung spart. Da muss man sich doch echt fragen, wo das Geld geblieben ist, dass sie so "abgezockt" haben.
    Na ja, die Filialen werden jetzt weniger, mal sehen was so passiert. Ich kaufe dort schon lange nichts mehr.

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  4. Also ich war nach dem ganzen Medienrummel auch mal extra wieder in einem Schlecker. Der bei meiner Oma war extrem ranzig und usselig. Der bei uns geht, was Sauberkeit und so angeht, aber die essence-Regale waren fast komplett leer und bestimmt seit Monaten nicht mehr nachgefüllt. Verkäufer war keiner zu sehen..
    Es ist schade für die Mitarbeiter, aber ich denke auch so ein Laden, der momentan überhaupt nicht mehr mitkommt muss nicht durch Steuergelder gerettet werden.
    Aber Schlecker war es auch glaube ich, die vor ein paar Jahren in der Presse waren, die viele Mitarbeiter gekündigt haben und über eine externe Firma zu niedrigerem Gehalt wieder eingestellt haben.. Unter aller Kanone so was, da kann man dann auch nicht mehr freundlich bleiben als Verkäufer..
    Opel selber, konnte da nichts für, die wurden immer weiter von GM runtergewirtschaftet.

    Gestern hat ein Volksbank-Knispel im Interview gesagt: die Banken, denen es schlecht ging und die mit Steuergeldern gefördert wurden und werden, bieten zu niedrige Kredite an, mit denen die nicht mithalten können, weil sie nicht Stattlich gefördert werden.
    Ich finde es schade, dass Firmen die gut wirtschaften eigentlich dafür bestraft werden und anderen quasi Zucker in den Arsch geblasen wird.
    Auch wird es bei Schlecker so sein, dass die kleinen Verkäuferinnen gehen müssen, während der ganze Vorstand, der viel mehr kostet und an dem Scheiß Schuld ist garantiert bleiben wird und nicht geschrumpft wird.

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