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Sonntag, 4. März 2012

Ansichten anderer über Veganer [ein bisschen blabla]

Letztens machte ich einen freudigen Frund in der Mensa: Es waren Pastasoßen als vegan gekennzeichnet. Ein toller Schritt, wie ich finde! Dass ich die zerkochten Nudeln und die glipschigen Soßen trotzdem nicht mag, macht ja nix.

Ich erwähnte dann zu Tisch meinen freudigen Fund "Die Soßen werden jetzt sogar gekennzeichnet, wenn sie für vegane Ernährung geeignet sind. Heute sind zwei dabei!"
Jemand anderes am Tisch: "Was ist denn das für eine Soße? Ist die aus Tofu?"
Ich: "Neeein, das waren Tomaten- und Champignonsoße. Die meisten Tomatensoßen sind vegan, vegan bedeutet schließlich nur keine tierischen Produkte, also kein Fleisch, Fisch, Ei, Honig oder Milch. Das ist viel einfacher, als man sich zuerst vorstellt."
Darauf kam ein bisschen Einsicht. Zum Glück gabs keine Diskussion über Sinn oder Unsinn dahinter.

Meistens höre ich den Satz "Und Veganer sind die ganz Bekloppten." Erwähne ich dann das Konzept der Frutarier, kommt nichts mehr, denn der Superlativ wurde schon ausgereizt. Blankes Entsetzen bleibt übrig.

Natürlich ist es für mich als Naturwissenschaftler ein Problem, mit diesen Konzepten an sich umzugehen. Ich bin zwar kein Biologe, dennoch ist mir bewusst, dass man das Leben von Pflanzen nicht deutlich unter das Leben von Tieren stellen sollte. Pflanzen sind sehr unverstanden, sie haben keine Kulleraugen und schreien nicht. Somit ist das Konzept der Veganer eigentlich gar nicht die Erfüllung, sondern nur das Konzept der Frutarier. Nur dann sagt der Naturwissenschaftler in mir wieder, dass ich doch auch ein Tier bin und einen gewissen Platz in der Nahrungskette habe. Als Allesfresser ist es mir gegönnt, mich für die vegane Ernährung zu entscheiden. Katzen könnten das nicht.
Und als Naturwissenschaftler und vor allem als Chemiker drängt sich mir die vegane Ernährung dann doch gegenüber der Atkins-diät auf, da die Ausbeute bei der Fleischherstellung klimatechnisch eine Katastrophe ist. 10% Ausbeute, das heißt bei 100 kg Pflanzeneinsatz bekomme ich 10 kg Fleisch, von dem nach der Pfanne noch 5-8 kg übrig sind.

Als Glibberhasser (Wackelpudding und Sülze haben bei mir schon immer Brechreiz verursacht, diese Lebensmittel habe ich noch nie essen können, auch Fettkanten schnitt ich wegen des Glibberfaktors weg) habe ich etwas gegen Eier. Seit 2 Monaten hat kein Ei mehr den Kühlschrank betreten, dafür gibts jetzt Sojamehl zum backen.

Und als Frau wäre es logisch, Milchprodukte zu meiden. Nun, das ist ein Problem. Ich bin schokoladenabhängig und Zartbitter "funktioniert" bei mir nicht.

Es gibt viele gute Gründe, Veganer zu werden. Die meisten fürchten sich wegen den gesellschaftlichen Problemen davor, vor allem einer von den "ganz bekloppten" zu werden. Da ich aber seit Jeher sowieso Außenseiter bin, steht mir eigentlich nur die Schokolade im Weg.

Aber eigentlich geht es mir mehr um das nachhaltige Verhalten. Wenn der "Sonntagsbraten" zurück käme, was wäre so schlecht daran? 7x pro Woche Fleisch auf 1x pro Woche reduzieren würde schon so unendlich viel bringen.

Nun, die Zukunft bleibt spannend!
Und mein Weg zum besseren Verhalten hat gerade erst begonnen.

Kommentare:

  1. Finde ich gut dass du das Argument "sie haben keine Kulleraugen und schreien nicht." miteinbeziehst in deine Überlegungen... viele predigen ja "Fleisch essen ist Mord / Ich esse kein lebendes Wesen" und dergleichen und wissen dabei nicht mal wovon sie reden...
    Vom Metabolismus her MÜSSEN wir irgendwie, irgendwann Materialien aufnehmen, die andere Lebewesen in ihrem Körper aufgebaut haben, weil wir es selbst nicht können. Wir KÖNNEN nicht überleben ohne auf andere Lebewesen "aufzubauen"... die einzigen höheren Lebewesen die das können sind Pflanzen.

    Ich für meinen Teil versuche einfach, meinen Fleischkonsum gering zu halten, was bei mir irgendwie automatisch funktioniert. Auf Fisch zu verzichten fiele mir da schon schwerer, aber da der meist teurer ist esse ich den auch nicht oft. Aber selbst wenn ich Geld wie Heu hätte würd ich nicht mehr Fleisch/Meeresfrüchte essen...
    Wenn ich Fleisch kaufe, achte ich zB drauf dass es aus der Region kommt und auch bei Gemüse ist mir wichtig dass es nicht gerade aus Spanien kommt... (auch allein des Geschmackes wegen, da verzichte ich lieber!)
    Am Besten sind ja die Vegetarier oder Veganer die dann das "ökologischer Fußabdruck" Beispiel bringen und meinen Fleischkonsum sei unökologisch, dann aber Ananas und Bananen und sonstige Importfrüchte kaufen, die immens lange Transportwege hinter sich haben....

    Ich finde es absolut legitim zu sagen, man reduziert seinen Fleischkonsum auf ein Minimum. Einmal die Woche, oder einfach nur geringe Mengen (zwei Blatt Schinken alle zwei Tage ist jetzt auch nicht gerade heftig viel). Aber wie du sagst, als Allesfresser hat man ja - zum Glück - die Wahl :)
    Ich bin gespannt wie du dich entscheidest... zumal ich deine Gedanken sehr gut nachvollziehbaer und gar nicht "Ganz bekloptt" finde ;D

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  2. Ich finds irgendwie traurig, dass es selbst jetzt noch so viele Menschen gibt, die nicht wissen, was Vegetarismus oder Veganismus eigentlich ist. Typisch ist ja dieses "aber Fisch ist okay, oder?". Also ich selber bin keines von beidem, aber ein wenig Verständnis und Interesse für die Thematik finde ich persönlich sehr wichtig.
    Ich esse recht selten Fleisch und Fisch mag ich gar nicht erst. Aber durch mein Umfeld und weil ich Fleisch ab und an sehr gerne esse, könnte ich gar nicht zum Vegetarier werden. Klar, der Mensch ist nicht unbedingt auf Fleisch angewiesen. Die Proteine können wir auch aus anderen Produkten ziehen.
    Ich denke da eher weniger an die Umweltbelastung als an den Umgang mit Tieren. Wie können wir, da wir ja selbst Tiere sind, einfach mal festlegen, dass wir über anderen Tieren stehen bzw. mehr Wert sind als diese? Uns steht es zum Glück frei, ob wir Fleisch zu uns nehmen, anders als bei Carnivoren. Ich könnte es niemals mit meinem Gewissen vereinbaren, meine Tiere in enge Ställe und Legebatterien zu pferchen. Das ist eher der Punkt, der mich aufregt. Aber das würde jetzt vieeel zu weit führen, da es sich ja auch gesellschaftlich stark bemerkbar macht, dass einige denken, die Spezies Mensch stünde über allen anderen Lebewesen ^^
    Was mich eher noch interessieren würde, bist du denn Vegetarierin oder isst du nur sehr wenig Fleisch? Das ist mir aus dem Text jetzt nicht ganz klar geworden.
    Ich versuche einfach momentan, meinen Fleischkonsum immer mehr zu reduzieren und vielleicht kann ich meine Gewohnheit irgendwann überwinden. Denn für mich ist das Fleisch essen nix anderes als Gewohnheit. Wenn man von klein auf kein Fleisch kennen/essen würde, würde man sich wohl eher davor ekeln (könnte ich mir bei jedenfalls gut vorstellen). Aber zum Veganer könnte ich mich nie einschränken, dafür esse ich viel zu gerne Milchprodukte. Achja, wieso sind denn Milchprodukte für Frauen unvorteilhaft?

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  3. Jeder wie er möchte, denk ich mir immer - als Allesfresser und mit vielfältigen Bezugsquellen diverser Lebensmittel steht es uns frei, sich so zu ernähren wie man es möchte (und sich leisten kann), ohne Mangelerscheinungen zu bekommen.
    Finde ich sehr gut, dass du Pflanzen nicht unter Tiere stellst. Als Biologe stellen sich mir da manchmal die Nackenhaare auf bei dem Schmarrn, den manche erzählen. Viel wichtiger als die Tatsache ob man Vegetarier/veganer/Fleischfresser oder nicht ist, ist meiner Meinung nach der bewusste Umgang mit Lebensmitteln. Was habe ich da auf dem Tisch, wie wurde es produziert, wo kommt es her? Wie schauts aus mit Wasser- und CO2-Bilanz? Besonders schlimm finde ich diesen Irrglauben, dass 5 mal die Woche Fleisch notwendig oder gar gesund ist und das Verhalten unserer Wegwerfgesellschaft - wenn man mal sieht was tagtäglich in der Mülltonne landet, da wird mir schlecht. Generell müsste noch einige Aufklärungsarbeit betrieben werden, um solche Dinge in das bewusstsein der Menschen zu rufen - oder die Menschen ihre Ignoranz ablegen.
    Über das Thema kann man ewig diskutieren, daher hör ich jetzt mal auf ;)

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  4. interessanter Artikel - ich selbst esse seit nunmehr 10 jahren "nur" vegetarisch.
    Aber ich tu mich ein bißchen schwer mit dem Pflanzen/Tiere Vergleich. Ich denke du wolltest damit die Pflanzen anheben, aber ohne weitere Begründung wirkt es auf mich eher als würden Tiere hierbei herabgesetzt..
    ich finde Pflanzen und biologischen Anbau wichtig, keine Frage, aber alles weitere erschließt sich mir gerade nicht.(=bitte erkläre es mir;))
    liebe Grüße

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  5. Ha, mir gehts auch immer so. Pflanzen haben doch auch ein Leben, das kann ich ihnen doch nicht leichtfertiger absprechen, als einem Tier? Aber dann kommt wieder "Die haben aber keine Gefühle"-Keule... öhm... naja. Eigentlich wissen wir das nur nicht. Wer weiß.
    So ist das leider, wer auf Erden wandelt, hinterlässt nun mal Fußspuren. Man kann ja versuchen, sie nicht all zu fest einzutrampeln, aber wann klappt das schon?
    Ich werde aber wohl auch nie Vegetarierin werden. Ich hasse Braten, definitiv und abgrundtief, ich kann keine Steaks essen (davon wird mir ja so kotzübel!), und der Moment in dem ich merke, dass ich auf Knorpel kaue, ist der Moment in dem ich breche.
    Dummerweise ist der Schinken in meiner Carbonara-Sauce für mich momentan unverzichtbar, genau wie Salami aufs Brot oder so.
    Vielleicht finde ich ja irgendwann Alternativen, aber momentan sieht's schlecht aus.

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  6. @Kratzi
    Ich bin seit einem halben Jahr vegetarisch. Allerdings nicht streng, da die gut gebackene Weihnachtsgans etwas ganz ganz besonderes für mich ist. Die musste dann doch sein und die habe ich auch mit großem Genuss gegessen.
    Inzwischen bau ich immer mehr vegane Gerichte in mein Essensplan ein. Zu Anfang ist das wirklich schwierig, wenn man nur so kurz überhaupt alternative Denkstrukturen bezüglich Essen aufgebaut hat. Ich bin jetzt gerade mal 2 Monate aus dem Elternhaus raus, wo sich alles am täglichen Fleisch orientierte.

    Mein Vater war letztens gar beleidigt, als ich mir mein eigenes Essen mitbrachte, als es Schweinshaxen gab. Schweinefleisch ist für mich aber das am allerleistesten abzugewöhnende, das geht sowas von selber ^^ Damit hats ja überhaupt erst angefangen, mit "ich esse nur noch, was mir schmeckt! *schwein streich*"

    @Rea
    Herab und heraufsetzen, das geht doch ganz einfach, bis beide auf gleicher Linie sind :) Es sind beides Lebewesen, warum sollte das eine besser sein, als das andere? Für mich haben sie den gleichen Stellenwert.
    Das war für mich auch lange das stärkste Gegenargument gegen Vegetarismus/Veganismus. Bio LK bei einem alten Herren mit Oberlippenbart, der in seiner heilen Fleischwelt lebt.

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  7. Dass Pflanzen auch Lebewesen sind, wurde mir nochmal richtig deutlich, als ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Mimose gesehen habe. Wie schnell die sich bewegen ist auch Wahnsinn. Wir haben in einem Experiment mal die Bewegungen von "normalen" Höheren Pflanzen gefilmt, über mehrere Stunden, und selbst die bewegen sich ja wahnsinnig viel, auch wenn wir das gar nicht mitbekommen.
    Pflanzen haben zwar keine Augen und kein Gehirn, aber das haben manche Tiere auch nicht ^^ Und ob sie Gefühle haben kann eigentlich auch keiner nachweisen. Fakt ist aber, dass sie auf äußere Umwelteinflüsse reagieren und deshalb können sie sehr wohl mit ihrer Umgebung kommunizieren, natürlich auf eine andere Weise als Tiere.
    Ich studiere übrigens Biologie und finde Botanik zwar eher langweilig, aber Pflanzenphysiologie ist schon ziemlich interessant ^^

    Ich wohne auch noch bei meinen Eltern, obwohl ich zwischendurch auch in einer anderen Stadt eine eigene Wohnung hatte. Trotzdem koche ich fast täglich für mich selbst, da es bei meinen Eltern fast jeden Tag Fleischgerichte gibt (oder Fisch). Anfangs ist das echt eine sehr große Umstellung, aber vor allem dank dem Internet hab ich ne tolle Auswahl an fleischfreien und teils auch veganenen Gerichten gefunden und die schmecken zum größten Teil viel besser als der "Fraß" von meinen Eltern ;)

    Achja, ich finde deine Beiträge in Bezug auf Chemie immer sehr interessant! Ich hab ja dank meinem Studiengang auch immer viel mit Chemie zu tun und kenne die meisten Dinge ja selbst. Ich kann mir das alles nur nie auf Dauer merken, vor allem die einzelnen Umsetzungen in der organischen Chemie.. mit der steh ich leider etwas auf Kriegsfuß ^^

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