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Freitag, 20. Januar 2012

Das Figürchen und das Essen

Ich las gerade von Hana von Blumen im Nirgendwo einen schönen Blogpost*klick* zum Thema Figur, Models, Essen, Figur halten und Essstörungen. Sie selbst hat ein paar Kilos zu viel, fühlt sich aber gut in ihrem Körper, ist zufrieden und hat keine Essstörungen. Tags zuvor hatte ich aus der Sicht von Neele, die Model ist und sehr schmal und groß ist, auch ein Posting zum Thema gelesen*klick*. Sie scheint auch keine Essstörung zu haben, achtet aber immer darauf, was sie isst und welchen Sport sie macht.

Und ich? Ich stehe stets am Rande einer Essstörung. Ich bin schlank, wiege 53 kg bei 1.68m Körpergröße und bin damit immer auf der BMI Grenze zwischen Normal und Untergewichtig. Ich könnte aber auch niemals dick werden.

Aber wie passiert das, wo ich doch so gerne esse? Ich bin in einer sehr schlanken Familie aufgewachsen. Mein Opa und meine Cousine sind rundlich, aber sie bewegen sich wie schlanke Menschen und sind genau so agil. Auf ihnen wurde nie herumgehackt. Aber ich bin mit dem Spruch "Ey guck mal da, die fette Sau!" aufgewachsen. Ausgesprochen von dem Menschen, dem ich am meisten Respekt entgegenbringe und der für mich auch immer eine große Vorbildfunktion hatte. Und immer noch hat. Das heißt von klein auf wurde ich an die Sichtweise dick = faul = hässlich = kann nicht Auto fahren herangeführt.
Das mit dem Autofahren ergibt sich vor allem daraus, dass der oben genannte Ausruf meist bei der Autofahrt zu hören war ;) Wenn irgendwer dumm fuhr, wars meistens irgendein sehr dicker Mensch, der wohl so dumm fuhr, weil er zu faul und zu sperrig war, um sich umzuschauen.

Jeder hat seinen eigenen Kopf und ich wurde zur Kritik erzogen. Zur ewigen Skepsis. Aber dennoch, es ist nicht möglich, gewisse Dogmen wie dick=schlecht und Frauen müssen schön sein und all das aus dem Kopf wieder raus zu kriegen.

Ein besonders gestörtes Verhalten zum Essen habe ich nicht. Ich mag nur vieles nicht vom Geschmack her. Und einiges finde ich auch so eklig, dass ichs auf den Teller reiher, wenn man mich zwingt, es zu essen. Aber das lässt sich mit dem Wort "Glibber" gut unter einen Hut bringen. Meine Mama ist eine super Köchin und ich habe immer gerne gegessen. Das tu ich auch heute noch. Aber als Teenie habe ich mich trotzdem immer dick gefühlt und gefangen darin, dass ich so gerne esse, vor allem Schokolade. Ich habe aber nie durchgehalten, auch nur einen Tag auf das braune Gold zu verzichten. Dann endete die Pupertät, meine sonst immer leichteren Klassenkammeradinnen gingen auf wie frische Brote und ich ging ein. Seitdem bin ich so wie ich bin, auf meinen 53 kg.
Ein halbes Jahr lang habe ich mal mittags zu viel gefressen. Also richtig viel, mit Glutamatunterstützung, das treibt rein. Dabei habe ich 3 kg zugenommen. Dieses halbe Jahr Arbeit war dann in 3 Wochen "Ich zähl kalorien"-diät auch wieder runter. Ein Traum von einem Stoffwechsel! ...?

Ich esse maximal 2 Rippen einer Standardschokolade am Tag, mehr Süßes vertrag ich nicht. Frittierte Kartoffeln finde ich widerwärtig (also Pommes, Kroketten, Puffer, ...), weißliche Fettsoßen auch (Majo, Soße Hollondäääs, pommessoße, remoulade). Ich wurde als Wassergemüseesser erzogen, das heißt, keine fettigen Soßen auf Gemüse. Kein Rahmgemüse. Kein Buttergemüse. Schmeckt mir auch nur ohne den ganzen Fettkram.
Auf Nudeln gibts kein Öl, zu trinken gibts Wasser. Ich mag diese ganzen Limos nicht, ich hasse Eistee. Und Eis mag ich auch nicht sonderlich, vielleicht mal ne Kugel, aber keine Schachtel.

Und seitdem ich "Anständig essen", das Buch mit dem Kanickel auf dem Teller, gelesen habe, ess ich auch nur noch Fleisch, das mir schmeckt. Also vielleicht 2 mal im Monat überhaupt was und dann vielleicht magere Teile vom Lamm oder Rind.

Wundert sich jemand bei meinen Essvorlieben jetzt noch, dass ich nicht schnell zunehme? Wenn ich gar nicht ausreichend Energie zum Zunehmen bekomme, gehts auch nicht.


Natürlich verstehe ich nicht, wie jemand gleichzeitig jammern kann "Buuhuuu, ich bin zu fett!", sich dann aber gleichzeitig Pommes mit Majo, Buttergemüse und paniertes Fleisch reinzieht. Das eine, was ich will, das andere was ich muss. Und wenn ich dünn sein will, muss ich doch mal anfangen zu rechnen, was ich da so esse. Sagt sich immer so leicht, aber der Leidensdruck ist doch so hoch! Ich lese Blogs zum Teil, weil Leute dort ihre Abnahme mit Methode und so weiter kartieren und ich das spannend finde. Und sie zeigen doch, dass es geht. Man muss nur über die erste böse Woche hinweg, dann gehts viel leichter.
Und abnehmen muss nicht gleich Verzicht bedeuten auf alles, was gut schmeckt, das verstehen auch immer viele falsch.

Und ich laber hier nicht nur so durch die Gegend a la "Ich bin dünn, ich darfs Maul aufreißen". Nach dem halben Jahr Glutamatzusatz habe ich mich unausgeglichen gefühlt, nur noch eine Hose passte, ich habe schwer Luft bekommen, wenn ich was getan habe. Schlicht unwohl habe ich mich gefühlt und dann hab ich mich ganze 2 mal durch die erste fiese Woche gequält und dann auch hammerhart mit Rechnen abgenommen. Das ist wahlich nicht einfach, sogar deutlich schwerer als ich dachte. Gerade weil man eigentlich gar kein Gefühl dafür hat, wie viel man von was essen sollte und dürfte.
Aber ich würde es jeder Zeit wieder tun. Ich würde das Essen, was ich ja so liebe, in den Hintergrund stellen, damit ich mich in meinem Körper wohl fühle.

Kommentare:

  1. Hm, okay. Ich war immer schon etwas rundlicher - etwas SEHR rundlich - und daran hat sich nie was geändert. Klar, mit radikalen Diäten hätte ich abnehmen können und so weiter und so fort, aber das bin einfach nicht ich. Ich esse gerne meine Schokolade, meine Pommes und so weiter - ich setze aber auch wirklich jedes Gramm Fett an.
    Das Problem haben einige mir bekannte Leute, die ähnlich viel essen wie ich, nicht.
    Tja, im Endeffekt leb ich damit.
    Schlimm genug, dass die halbe Welt drauf achtet, wie fett/dünn der Nachbar ist - man hat ja sonst keine Probleme ;)
    ...Chips kann ich aber überhaupt nicht haben. Bzw. nur einmal im Jahr ein paar und dann hab ich wieder genug...

    Und hm, Buttergemüse esse ich sehr gerne. Aber ich habe auch einfach das Problem, generell kaum Obst zu vertragen und viele Gemüsesorten nicht zu mögen.

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  2. Ich ess auch, was mir schmeckt. Seit ich Sport mach, ess ich sogar mehr als vorher, aber meiner sportlichen figur tut es keinen abbruch. Irgendwie hoffe ich, dass mein Stoffwechesl so bleibt, wie er ist.

    Grüßchen, Anni.

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  3. Ich habs die letzten Wochen/Monate ordentlich übertrieben mit den Süßigkeiten und auch gerne mal zu Limo gegriffen, obwohl ich Tee und Wasser lieber mag. Und ich liebe Obst, aber so eine Rippe Schoki ist schneller von der Tafel abgebrochen als ein Apfel entkernt ist. Und einen Nachtisch hat man in der Mensa auch schnell auf dem Tablett oder noch ein Löffel Nudeln auf dem Teller. Vermutlich war das der Lernstress und einfach Bequemheit und Faulheit, die mir 5kg mehr eingebracht haben. Ich hab mich beim Pilates nicht mehr wohlgefühlt (da muss man ja die ganze Zeit über die Bauchmuskeln anpannen) und meine Hosen spannen. Ich mag meinen Körper recht gern, egal ob mit 5kg mehr oder weniger, aber ich verzichte jetzt schon 2 Tage lang wieder auf süße Getränke und Naschereien und fühle mich schon deutlich wohler. Und wenn dann die erste Woche vorbei ist, werd ich froh sein, mich wieder zum gesünderen Essen entschieden zu haben.

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  4. Mein Essverhalten ist deinem eigentlich ziemlich ähnlich. Wobei ich allerdings etwas mehr Süßes esse, glaube ich, aber nie pure Schokolade, denn davon wird mir schlecht. Ich esse dann eher Kekse oder dergleichen. Aber auch jeden Tag ein bisschen was davon.
    Obwohl ich mich nicht viel bewege, halte ich mein Gewicht konstant mit meiner Essweise. Und damit könnte ich eigentlich zufrieden sein, bin ich aber nicht so ganz =/ Mir wird oft gesagt dass ich ja ach so schlank sei... aber um ehrlich zu sein hätte ich doch ganz gerne wieder 2-3kg weniger. Ich wär einfach gern wieder unter der 50kg-Grenze, das ist alles. Aber unter diese Grenze zu kommen ist irgendwie verdammt schwer, obwohl ich mittlerweile fast jeden Tag 15-30min Bewegung mache (zu mehr hab ich nicht die Zeit und kondition), und meist nicht mehr als 1000kcal esse (Dabei aber nicht hungere sondern mich halt and gesunden Sachen satt esse). Trotzdem bleibe ich konstant auf 51kg.
    Mir kann man noch so oft sagen dass ich schlank bin, und ich würde auch nie behaupten dass ich "dick" wäre. Aber ich würde mich einfach wohler fühlen, wenn ich diese 2-3kg weniger hätte =/ Ich glaub das ist einfach so ne Art untergrenze bei mir, unter die ich mir (normalen) Methoden nicht mehr drunterkomme, und mich runterhungern will ich ganz sicher nicht. Daher hoffe ich einfach, dass ich durch Sport meinen Körper vielleicht noch ein bisschen an meinen "Problemzonen" formen kann....

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  5. Hm. Entweder verstehe ich dich nicht richtig, oder du sagst wirklich, dass Dicke einfach undiszipliniert sind und fertig. (Zur Klarstellung: Ich bin und war nie dick, also auch nicht auf der Suche nach persönlichen Angriffen, wo gar keine sind.) Das ist mir aber viel zu kurz gedacht. Die "dünnen" Essstörungen (Magersucht & Bulimie) sind in den meisten Köpfen als Krankheit anerkannt, die "dicken" Essstörungen (wozu Bulimie auch zählen kann, aber wir wollen ja keine Korinthen kacken) hingegen nicht. Und das ist Mist, weil's zu so viel Ausgrenzung führt. Ich hab' oft den Eindruck, dass viele Dicke (natürlich nicht alle) Essen als Ersatz (miss)brauchen. Statt Trost und menschlicher Zuwendung oder wenn sie aufgeregt sind. (In 'nem gewissen Rahmen ist das ja auch okay - wenn ich grad für 'ne Prüfung lerne und ein paar Tage lang haufenweise Süßkram esse, um meine Nerven zu beruhigen, geht das natürlich auch in dieselbe Richtung. Aber das Extreme ist das Gefährliche.)
    Damit will ich gar nicht sagen, dass der Dicke dann halt krank ist und fertig. Aber gerade, wenn du doch diesen großen Leidensdruck anerkennst, müsste doch allein dadurch, dass diese Menschen es _trotzdem_ nicht schaffen, abzunehmen, mal der Gedanke aufkommen, dass mehr dahintersteckt und es nicht damit getan ist, irgendwelche Tabellen auswendig zu lernen.
    Ich spreche hier wie gesagt nur von meinem Eindruck und natürlich gilt der auch nicht für jeden Übergewichtigen. Und natürlich braucht auch nicht jeder Übergewichtige gleich 'ne Psychotherapie. Aber einige halt doch. Ich würd' mir da einfach mehr Krankheitsbewusstsein wünschen.

    Wenn ich dich einfach nur falsch verstanden habe, tut's mir leid. Wobei ich dich mit meinem Roman auch nicht angreifen will. Ich möchte nur klarstellen.
    (Furchtbar, wenn einem jede nicht politisch korrekte Äußerung gleich von irgendwem um die Ohren gehauen wird... Normalerweise bin ich auch nicht so, aber hier konnte ich die Finger dann doch nicht stillhalten.)

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  6. @ Ego Man kanns tatsächlich so lesen. Richtig gemeint war das nicht. Natürlich verstehe ich nicht, wie man nicht abnehmen kann, wie könnte ich? Aber ich lerne immer mehr Hintergründe kennen und die sind wirklich vielfältig. Letztendlich haben sie dann doch immer wieder das Ergebnis gemeinsam, dass sich die Leute auch mit tonnen an ratschlägen einfach nicht zusammenreißen. Irgendwo her müssen die kilos ja auch kommen/bleiben.

    wenn man aber allen zu dicken eine störung andichtet, wird man den echten gestörten wieder nicht gerecht. manche sind wirklich einfach nur fett und unsidzipliniert, viele davon interessiert das auch gar nicht, dünn zu sein.

    es gibt eine ganze bandbreite von dicken menschen. die einen, die wie ein klß auf der bank sitzen, wo selbst die gesichtszüge zu faul sind, richtig zu sitzen. und die anderen, die daneben gerade ihr Fahrrad anschließen und sich bewegen wie der sportlichste dünne.
    Auf den kloßigen Banksitzern mag ich natürlich herumhacken, einfach weil sie unglaublich unästhetisch sind und faul wie sonstwas. Die mit dem Rad verdienen das jedoch nicht. Meistens seh ich deren Gewicht dann auch gar nicht, weil sie sich ja ganz normal verhalten und nicht bei jeder bewegung aufdringlich unter ihrem gewicht leiden.

    ein schwieriges thema ^^

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    1. Ich wollte auch keinesfalls allen Dicken eine Störung "andichten" - aber ich glaube, da wird es schon einige geben, die in die Kategorie fallen.

      Letztendlich ist die Haltung Übergewichtigen gegenüber wohl einfach eine Frage der generellen Einstellung zur Abgrenzung von "(psychisch) nicht können" oder eben "nicht wollen". Da scheinst du ganz schön harsch zu sein, während ich am liebsten die ganze Welt in Watte packen und therapieren möchte.^^ Was davon jetzt besser oder schlechter ist, wird niemand beantworten können. Es braucht wahrscheinlich von jeder Sorte was und so haben unser beider Haltungen ihre Existenzberechtigung. Aber wir werden wohl kaum auf einen Nenner kommen.

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