Leiste

Montag, 18. April 2011

Hobbyvorstellung: Kristallzucht


Ich wurde gebeten, ein bisschen über Kristallzucht zu schreiben. Ich bin darauf gekommen, weil mich Kristalle schon als kleines Kind fasziniert haben. Und weil ich mich mit all den Sachen, die man dazu braucht, besten auskenne, also wieso nicht?


Man braucht dafür: Gläser, etwas zum umrühren, destilliertes Wasser, Kristallzucht geeignete Salze und Geduld.


Photobucket

So sieht das dann aus. Das Salz wird in einem Rührgefäß angerührt, in das Zuchtgefäß umgefüllt und der Bodensatz aufbewahrt. Dann wird das Zuchtgefäß auf die Fensterbank gestellt (oder ins Bücherregal) und gewartet. Ich empfehle Fensterbank, weil mir mal Kristalle aus dem Gefäß über den Rand rausgekrochen und im Bücherregal weiter auskristallisiert sind.


Das warten gestaltet sich teils sehr langwierig. Dieses Hobby ist nichts für ungeduldige und auch nicht wirklich ein zeitfüllendes Hobby, es sei denn, man wertet seine Kristalle fotografisch aus. Kristalle fotografieren ist eine sau Arbeit, irgendwie will das immer nicht so, wie man sich das vorstellt.


Was man zuerst sofort erwartet, sind riesige Einkristalle wie das hier:


Photobucket


Neheheeein, das bekommt man aber nicht! Erst mal bekommt man Kristallteppiche. Oder totales durcheinander wie hier:


Photobucket


Hieran möchte ich auch noch einmal das Einrühren verdeutlichen. Die hellen Kristalle sind heiß eingerührt, die dunklen stammen aus raumtemperatureingerührter Zucht. Die dunklen bleiben so, wie sie sind und die hellen werden immer weißer. Wieso? Keine Ahnung. Aber es passiert einfach und nicht nur mit diesem Salz.


Irgendwann passiert dann mal etwas Schöneres und man bekommt Mehrlingskristalle wie hier:


Photobucket


Photobucket


Warum wann was passiert, kann man nicht vorher sagen. Aber manchmal funktioniert es und manchmal nicht. Und manchmal sitzt man beim Chinamann, trinkt seine Traubenschorle aus und findet das am Boden des Glases:


Photobucket


Das geübte Kristallauge sieht: Mitnehmen und bestimmen!


Dies ist das Magnesium-Calciumsalz der Weinsäure und ist auch in Rotweinbuddeln oft zu finden. Nur halt meistens nicht so schön.


Meine Salze beziehe ich vor allem aus dem alten Kosmoskasten für Kristallzucht. Daher habe ich Kaliumnatriumtartrat (Seignettesalz, das farblose), Kupfersulfat (nutze ich nicht, das blaue), Kaliumaluminiumsulfat/Kaliumchromsulfat (das violette Salz). Zusätzlich habe ich zum Geburtstag rotes Blutlaugensalz bekommen. Und diverse Versuche mit Kochsalz habe ich auch schon unternommen, funktioniert bei mir aber nicht.


Man bekommt Seignettesalz, Alaun und Blutlaugensalz über eBay oder zum Teil auch in der Apotheke.


Kupfersulfat sollte man zu Hause nicht verwenden. Man darf NICHTS wegspülen, was beim Züchten aber unumgänglich ist, darf die Abfälle nicht in den Mülleimer werfen, darf eigentlich gar nichts wegwerfen. Den großen blauen Kristall habe ich in der Uni gezüchtet, wo wir einen speziellen Abfall für Schwermetalllösungen haben. Ein anderer Mitstudent hatte ebenfalls Kupfersulfat gezüchtet und etwas davon in den Ausguss gegeben. Tags darauf stand der Hausmeister Wut entbrannt bei ihm im Labor und hat ihn zur Sau gemacht, weil die Abwasseranlage schwer Probleme bekommen hat. Kupferionen sind sehr giftig und zerstören die Viecher im Klärschlamm.


Und so geht das auch mit vielen anderen sehr schönen Salzen, zum Beispiel leuchtend türkisfarbenes Nickelsulfat. Wunderschön, aber unbrauchbar wegen der Abfallproblematik. Oder Kaliumdichromat, leuchtend orange. Kaliumchromat, leuchtend gelb. Alles super toll zum züchten, aber scheiße unpraktisch.


Bei diesem Hobby muss man viel wissen, man hat hohe Erwartungen und wird nicht selten enttäuscht. Aber wenn dann plötzlich keine Kristalle in der Mutterlauge aufblitzen, dann ist die Spannung immer groß! Dann mag man tagelang nicht mehr ohne ins Glas zu schauen verbringen und hofft jeden Tag aufs Neue, dass die kleinen Burschen nicht verzwillingen.

Kommentare:

  1. Wooow, sehr beeindruckend *_*. Du scheinst dich echt auszukennen, konnte leider nur teilweise nachvollziehen, was du da geschrieben hast XD. Aber anscheinend kein Hobby für einen Laien wie mich, auch wenn es sich so toll anhört ^_^.
    Lg

    AntwortenLöschen
  2. So lange man sich auf nicht giftige Dinge beschränkt wie Alaun, Seignettesalz oder Blutlaugensalz, ist das kein Problem, auch ohne Ahnung zu züchten ^^

    AntwortenLöschen
  3. Sehr aufschlussreich! Ich bin zwar meist recht geduldig, aber als Hobby Kristalle zu züchten wäre mir fast schon zu abgefahren ;)

    AntwortenLöschen
  4. Mensch, hier lernt man immer wieder neues dazu :-)

    AntwortenLöschen
  5. Interssantes Hobby, auf sowas wäre ich gar nicht gekommen.
    Wie lange hast du dich damit auseinander gesetzt bevor du es angefangen hast?

    AntwortenLöschen
  6. Ich hab das eigentlich schon viel länger machen wollen, aber Anstoß war dann ein Buch, wo einer beschreibt, dass ers als Kind immer gemacht hat. Und ich als Kind nicht, obwohl ich so sehr auf Kristalle stand und Kupfersulfat immer meine große Liebe war!
    Ich hab mich nicht lange mit der Theorie auseinandergesetzt, weils Teil meiner "Ausbildung" ist, zu wissen, was ein Kristall ist, wie der aufgebaut ist, wann er entsteht, dass man Einkristalle zur Strukturanalyse braucht, wie das mit der Röntgenbeugung an Kristallen funktioniert... Sozusagen überqualifiziert. Den Rest habe ich aus der Kosmos Broschüre, die dem Kristallzuchtkasten beilag. Die hilft aber auch nicht soo unbedingt.

    AntwortenLöschen
  7. Woooow ich hätte nie gedacht dass das so schöne resultate liefert *_* Die sehen wirklich toll aus, ich kann echt verstehen dass sie eine große Faszination auf dich ausüben :3
    Danke für den Eintrag darüber ^-^

    AntwortenLöschen
  8. wow, sehr interessantes Hobby!!!
    zu meinen Hüpfern, ja, ich weiß das, aber Hasen sagt sich irgendwie leichter wie Kaninchen.. Und kürzer ist es auch :) Danke für deine KOmmentare auch zum "Pressen" ich muss nur endlich mal Zeit dazu haben *g*

    AntwortenLöschen
  9. Na, deine Worte geben einem Mut zu, damit mal sein Glück zu probieren :).

    Danke füs Berichten ^^

    AntwortenLöschen
  10. Wow, das ist wirklich mal ein außergewöhnliches Hobby - finde ich toll, aber mit würde die angesprochene Geduld dafür fehlen. ^^"

    AntwortenLöschen
  11. Hi, grade mal bissel auf deinen Blog gestöbert und diesen Post entdeckt ;)
    Was für eine Ausbildung machst du denn?
    Ich habe 2 Jahre CTA gemacht, also hab mir schon bei den blauen Kristallen und der Schrift oben am Kristallisierschale "Cu".. schon an Kupfersulfatpentahydrat gedacht (der Name fiel mir nicht sofort richtig ein XD). Dann Dank Wiki auch gleich gesehen, dass das Zeug nicht grade ungiftig ist und finde es klasse, dass du den Leuten auch mitteilst, dass das eher wenig für zu Hause geeignet ist ;D Ich bin wohl zu ungeduldig und hab nicht mal zu Ende gelesen bevor ich was nachgeschaut habe, denn später hast du auch den Namen ja genannt ;)
    Wie hast du den Kupfersulfat Kristal in solche Form hinbekommen? o.o
    Liebe Grüße :*

    AntwortenLöschen